Leserbrief

Hochwasserschutz

Behörde suggeriert eine trügerische Sicherheit

Sorge vor der Welle aus der Lauter, 30. November:

Zu dem Artikel sind einige Erläuterungen erforderlich, weil die Darstellungen der genannten Institutionen näher beleuchtet werden müssen.

Die Ausführungen der oberen Wasserbehörde, die Lauter sei „grundsätzlich“ in der Lage, die 0,19 Kubikmeter Wasser pro Sekunde des Baugebiets Schmelzig aufzunehmen – „dann sei der Wasserspiegel des Gewässers aber auch noch nicht bis an die Oberkante der Böschung gestiegen“ –, suggerieren eine trügerische Sicherheit. Fatalerweise beziehen sich diese Berechnungen ausschließlich auf die Böschungshöhe beziehungsweise den Lauterquerschnitt direkt an der sogenannten Einleitstelle und nicht auf andere Stellen lauterabwärts.

Welche gefährlichen Folgen daraus resultieren, beschreibt der Leserbrief eines Anliegers vom 8. Dezember: Sein mitgeliefertes Bild aus dem Jahr 2007 zeigt den bedrohlich hohen Wasserspiegel der Lauter nur kurz unterhalb des Schmelzig. Und zwar ohne zusätzliches Oberflächenwasser aus einem neuen Baugebiet.

Argument ist nicht haltbar

Auch das Argument des Gewässerverbandes, die Böden des Odenwaldes und somit auch der des Schmelzig, hätten ein „geringes Versickerungsvermögen“, so dass zwischen einer gezielten Einleitung in ein Gewässer und einem „oberflächigen“ Zufluss zu demselben über „Geländeneigungen“ kaum einen Unterschied bestehe, ist so einfach nicht haltbar.

Denn neben der Wassermenge ist auch der Zeitfaktor Bestandteil für das Zustandekommen eines Hochwassers. Es besteht ein erheblicher Unterschied, ob man 0,19 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gezielt an einer Stelle einleitet oder ob sich das Wasser auf einer offenen Wiesenfläche seinen Weg zum Gewässer selbst sucht. Hier wird pro Sekunde nur ein Bruchteil des gezielt eingeleitenden Wassers ankommen.

Zum Baugebiet Destag wird seitens des Gewässerverbandes darauf hingewiesen, das Gelände sei „schon fast vollständig versiegelt“, deshalb ergäben sich mit einer anderen Bebauung „keine allzugroßen Unterschiede in Sachen Regenwasser“.

Leider wird damit die Frage, wohin das Oberflächenwasser seither geflossen ist oder ob es Berechnungen gab, nicht beantwortet. Der Zweckverband KMB wird aus guten Gründen darauf hinweisen, dass in die Kanalisation lediglich das Schmutzwasser eingeleitet werden darf.

Berechnungen offenlegen

Also muss die Frage erlaubt sein, warum die obere Wasserbehörde jetzt einen Nachweis fordert, dass das Niederschlagswasser nur in die Lauter abgeführt werden darf, ohne dass es zu Überflutungen kommt. Welchen Einfluss die Wassermenge vom Destag-Gelände auf die Berechnungen zum Schmelzig hat, bleibt ebenso unklar. Sehr zurückhaltend klingt die Einlassung des Geschäftsführers des Gewässerverbandes, nach der der Verband der „Gemeinde Lautertal und den Behörden beratend zur Seite“ steht, aber „Bewertung zu einzelnen Themenkomplexen nicht abgeben“ wolle.

Sollte also alles so problemlos sein, wäre es für die Gemeinde und den Gewässerverband ein Leichtes, die Berechnungen offenzulegen. Überdies sind sie gemäß Paragraf 10 des Hessischen Umweltinformationsgesetzes sogar dazu verpflichtet, ohne dass Bürger nachfragen.

Auf dem Destag-Gelände werden schon erhebliche Erdbewegungen vorgenommen, Baurecht besteht indes noch nicht. Aber das ist ja bekanntlich immer das Risiko des Investors. Es dürfte also spannend bleiben.

Wolfgang Vetter

Elmshausen

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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