Leserbrief

Freizeit im Wald

Beiderseitige Rücksichtnahme vermeidet Konflikte

„Kleinkrieg in Bergsträßer Wäldern“, BA vom Samstag, 30. März

In dem Artikel wird unter anderem der Umgang von Mountainbikern mit Fußgängern und vice versa geschildert. Ich selbst bin beides: Mountainbiker und Fußgänger – und seit einer zweistelligen Anzahl von Jahren sehr oft und gerne in unseren Wäldern unterwegs. Daher ist mir das Miteinander beider Gruppen seit jeher wichtig.

Tempo reduzieren, Raum lassen

Wenn ich mit dem Mountainbike unterwegs bin und bereits in der Ferne Fußgänger sehe, dann reduziere ich meine Geschwindigkeit, mache gegebenenfalls auf mich aufmerksam, grüße die Fußgänger und bedanke mich, wenn sie mir insbesondere auf schmalem Terrain die Vorfahrt überlassen haben. Durch dieses Verhalten möchte ich vor allem auch das Image der gesamten Mountainbiker-Szene positiv prägen.

Umgekehrt versuche ich als Fußgänger, den Mountainbikern genügend Raum zu lassen. Ein halbwegs respektvolles Verhalten gegenüber Fußgängern (und übrigens auch gegenüber Reitern) vermisse ich allerdings bei vielen Mountainbikern (und manchmal umgekehrt leider auch bei einigen Fußgängern).

Straßenverkehrsordnung

Wenn Timo Gutzeit im Artikel schildert, dass Mountainbiker mit 35 km/h und schneller auf schmalen Pfaden unterwegs sind, die in Kurven nicht einsehbar sind, dann entspricht das a) leider auch meinen Beobachtungen und b) ist das schlicht verantwortungs- und rücksichtslos. Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung lässt in Analogie grüßen: Jeder muss beziehungsweise sollte sich so verhalten, dass er in jeder Situation rechtzeitig zum Halten kommen kann – im Interesse der eigenen Gesundheit und der der Anderen. Dies sollte auch einmal so mancher im Wald beherzigen, der auf zwei Stollenreifen unterwegs ist.

Aber vielleicht ist dieser Konflikt nur eine logische Fortsetzung allgemeiner Entwicklungen in unserer Gesellschaft, dass nämlich der Eigennutz (ich will jetzt den Spaß und brauche den Kick) vor Gemeinnutz und eigener Sicherheit und der der anderen geht.

Kein persönlicher Funpark

Für mich ist gegenseitiger Respekt und Rücksichtnahme die Lösung für ein gutes Miteinander in unseren Wäldern, die gerade in unserem Ballungsraum und insbesondere im Bereich Vordere Bergstraße ein zunehmendes Publikum zu verkraften haben. Daher kann und sollte auch niemand die gesamte Naturfläche für sich als persönlichen Funpark reklamieren (dürfen).

Keine getrennten Areale

Wenn das alle etwas mehr beherzigen würden, dann brauchen wir auch keine getrennten Areale für die verschiedenen Interessensgruppen – da teile ich Timo Gutzeits Ansicht eben gerade nicht. Und ich selbst möchte mir auch gar keine Gedanken darüber machen müssen, wo ich für mich wahlweise eine Strecke als Biker oder als Fußgänger finde. So viel Platz haben wir in unseren umliegenden Wäldern nämlich gar nicht, um über räumliche Trennungen der Interessensgruppen das Problem zu lösen.

Ralf Vesper

Bensheim

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