Leserbrief

Wohnungsnot

Bensheim stellt sich der sozialen Verantwortung

„DGB: Straßenaktion zur Wohnraumsituation“, BA vom 27. März

Der aufmerksame politische Beobachter muss sich doch einigermaßen wundern, dass der DGB ausgerechnet in Bensheim „Druck auf die Politik ausüben“ will und sich deshalb für seine Aktion gegen Wohnraumknappheit gerade die Bensheimer Fußgängerzone ausgesucht hat.

Die Stadt Bensheim hat in jüngster Zeit umfangreiche Projekte für den sozialen Wohnungsbau auf den Weg gebracht: Meerbach-Sportplatz (etwa 100 geförderte Wohnungen), Starkenburgstraße (14 Wohnungen), ehemaliges EKZ-Gelände, ehemalige Brotfabrik, Wilhelmstraße, nur um einige wichtige Projekte zu nennen.

In vorbildlicher Weise

Die Stadt wird damit in vorbildlicher Weise ihrer sozialen Verantwortung gerecht. Und auch die Bensheimer Bürger gehen dabei mit bewundernswerter Gelassenheit mit den Einschränkungen um, die für sie mit diesen Projekten verbunden sind. So haben die Hemsbergschüler etwa den einzigen schulnahen Sportplatz eingebüßt. Größere Proteste dagegen gab es nicht.

Die genannten Projekte sollten nun erst einmal alle realisiert werden. Die Bensheimer Bürger werden dabei die Wirkung auf die Verkehrsinfrastruktur (Parkraumsituation im Meerbachviertel, Verkehrsfluss in der Schwarzwaldstraße und Wormser Straße) sowie auf die soziale Infrastruktur (Kinderbetreuungs-, Schulkindbetreuungs- und Grundschulplätze) genau im Blick behalten. Auch eine gender- und generationengerechte Zuteilung der Sozialwohnungen, die nicht einseitig alleinstehende junge Männer bevorzugt, wird die Akzeptanz der genannten Wohnbauprojekte weiter erhöhen.

Gewerbebrachen umgewandelt

Die Stadt hat aber neben der sozialen auch eine ökologische Verantwortung: Wir müssen unseren Kindern eine halbwegs intakte Umwelt hinterlassen. Keinesfalls dürfen wir unsere letzten naturnahen grünen Oasen versiegeln und zerstören. Auch hier wird die Stadt ihrer Verantwortung gerecht.

Die Stadtverordnetenversammlung hat sich vor Kurzem mehrheitlich gegen die von der SPD geplante „Südstadt“ entschieden und dadurch ein einmaliges Biotop vor einem „Beton-Tsunami“ bewahrt. Für die Stadtentwicklung genutzt werden dagegen sinnvollerweise vorwiegend Gewerbebrachen im Innenbereich der Stadt ohne größeren ökologischen Wert.

Bei aller Kritik an der gegenwärtigen Stadtentwicklungspolitik: Im Bereich des sozialen Wohnungsbaus macht Bensheim fast alles richtig. Die korrekten Adressaten für das berechtigte Anliegen des DGB finden sich derweil in Berlin im Regierungsviertel. So könnte der DGB „Druck“ auf die SPD-Bundesminister Barley und Heil „ausüben“. Wer weiß, wenn die SPD so die Interessen ihrer Kernwählerschaft wieder stärker berücksichtigt, würde das vielleicht den kränkelnden Umfragewerten wieder auf die Beine helfen?

Christian Krebs

Bensheim

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