Leserbrief

Schule beim Hessentag

Besuch war nicht im Sinne Dietrich Bonhoeffers

„Besuch bei der Bundeswehr“, BA vom 18. Juni:

Mit einigem Entsetzen las ich den Bericht über den Besuch von Schülern der achten Klassen – also 13- bis 14-Jährige – der Rimbacher Dietrich-Bonhoeffer-Schule bei der Bundeswehr auf dem Hessentag. Es wird berichtet, wie begeistert die Schüler „Geräte und Fahrzeuge bestaunen“ und „ausprobieren (konnten), wie es sich anfühlt, in einem Panzer zu sitzen“.

Vor drei Jahren durften bei einer ähnlichen Veranstaltung Kinder mit Sturmgewehren und Maschinenpistolen hantieren. 13- bis 14-Jährige werden über eine undifferenzierte Technik-Faszination für Tötungstechniken begeistert. Wer wundert sich da noch, dass auch die Schwelle zur Gewalt bei Jugendlichen immer niedriger wird und eine zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft um sich greift.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW hat schon 2018 allen hessischen Schulen empfohlen, auf Klassenfahrten zur Bundeswehrausstellung zu verzichten. Als besonders erschreckend empfinde ich es allerdings, dass besagte Schule im Namen den von den Nazis 1945 ermordeten christlichen Pazifisten und Theologen Dietrich Bonhoeffer führt.

Bezeichnenderweise findet sich auf der Homepage der Schule nicht ein einziger Hinweis geschweige denn eine Würdigung der Biografie und des Wirkens von Bonhoeffer (siehe: www.dbs-rimbach.de). An eine zufällige Nachlässigkeit mag ich nach diesem Bericht nicht glauben.

Dietrich Bonhoeffer hielt 1934 auf einer Tagung des ökumenischen Weltbunds für Freundschaftsarbeit eine hochaktuelle Rede, in der er unter anderem sagte: „Wie wird Friede? Durch ein System von politischen Verträgen? Durch Investierung internationalen Kapitals in den verschiedenen Ländern? Oder gar durch eine allseitige friedliche Aufrüstung zum Zweck der Sicherstellung des Friedens? Nein, durch dieses alles aus dem einen Grunde nicht, weil hier überall Friede und Sicherheit verwechselt wird ... Die Stunde eilt – die Welt starrt in Waffen und furchtbar schaut das Misstrauen aus allen Augen, die Kriegsfanfare kann morgen geblasen werden – worauf warten wir noch? Wollen wir selbst mitschuldig werden wie nie zuvor?

Klassenfahrten von Kindern, finanziert und organisiert von der Bundeswehr, zum Bewundern und Ausprobieren von Kriegstechnik, waren und sind sicher nicht im Sinne Bonhoeffers.

Wolf Nevermann

Schannenbach

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