Leserbrief

Wohnraum

Betriebswirtschaft hilft bei Bewertung der Mietpreise

„DGB drängt auf bezahlbaren Wohnraum“, BA vom 30. April

Wer ärgert sich nicht über die steigende Preise, auch für mich ist dies ein Ärgernis. Der DGB prangert die Steigerung der Mietpreise mit 15,8 Prozent für Bensheim bis 28,5 Prozent in Viernheim an. Diese geldgierigen Miet-Haie.

Eigentlich müsste beim DGB doch bekannt sein, dass dem nicht so ist. Ich habe, vor über 50 Jahren, einen Abendlehrgang zur beruflichen Weiterbildung besucht. Es handelte sich um einen Lehrgang für Ingenieure mit dem Ziel „Technischer Betriebswirt“, damit ich zumindest die Denkweise der Volks- und Betriebswirte, bei Investitionsberechnungen der BASF, im Ansatz verstehe. Träger der Ausbildungsstätte in Mannheim: der DGB.

Kursinhalte nicht berücksichtigt

Leider hat bereits damals der DGB die im Abendlehrgang vermittelten Kenntnisse nicht für seine Investments berücksichtigt und so abgewirtschaftet und sich schließlich davon getrennt; auch von seinen „geförderten“ Wohnungen für sozial Schwache. Damals vorwiegend für Flüchtlinge, Spätaussiedler und deren Nachkommen.

Nun zu Basisaussagen des betriebswirtschaftlichen Lehrganges für Ingenieure:

1. Zur Erhaltung der Arbeitsstätte und des Investitionskapitals muss am Ende der Nutzungsdauer zumindest die Kaufkraft der getätigten Investition erwirtschaftet sein.

2. Die vom Staat angestrebte Inflationsrate und die zu erwartenden Steuerlasten sind zu berücksichtigen.

3. Hinzu kommen die Aufwendungen für Wartung und Verschleiß und so weiter.

Vergessen wir Position 1 und 3 und betrachten nur Position 2: die vom Staat angestrebte Inflationsrate von 2,5 bis 3 Prozent pro Jahr und rechnen mit einem Mittelwert von 2,75 Prozent. Zeitraum 2014 bis 2019 = 5 Jahre. Damit ergibt sich bereits eine Preissteigerung 14,53 Prozent (und nicht 5 mal 2,75 Prozent = 13,75 Prozent) zum Ausgleich der Inflation! Da für die Mieten der Staat Kapitalertragssteuer von 25 Prozent und Soli von 5,5 Prozent abkassiert, muss dies natürlich mitberücksichtigt werden. Die Finanzpolitik des Staates bewirkt damit eine zusätzliche Mietpreissteigerung von 5,205 Prozent. Für den Inflationsausgleich errechnet sich somit eine Mietpreissteigerung von mindestens 19,735 Prozent.

Höhere Kosten für Neubauten

Die 28,5 Prozent Mietpreissteigerung von Viernheim und Lampertheim dürfte dem höheren Anteil an Neubauten geschuldet sein. Denn neue Bauvorschriften führen zu einem Anstieg der Baukosten. Die angeprangerten Preissteigerungen für Bensheim von 15,8 Prozent und Heppenheim von 19,2 Prozent liegen unter dem vom Staat verschuldeten Kaufkraftverlust – zulasten der Vermieter.

Leider wird betriebswirtschaftliches Basiswissen bei öffentlichen Gebäuden grundsätzlich nicht berücksichtigt. Gilt auch für die Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB). Die MEGB ist eine GmbH und mit zu den „Pflichtaufgaben“ des Geschäftsführers gehört die Sicherung des Kapitalvermögens zum Erhalt der GmbH.

Kapital vernichtet

Eine Erfüllung dieser Pflicht sehe ich beim Neubau vom Bürgerhaus und Haus am Markt nicht. Eigenkapital wird nicht erwirtschaftet. Kapital, das die Steuerzahler in Form von Subvention aufbringen müssen, wird „grob fahrlässig“ – nach meiner Überzeugung – vernichtet. Beide Projekte werden uns jedoch als „wirtschaftlich“ von Politik beziehungsweise MEGB verkauft. Das kann glauben, wer will.

Hermann Bausch

Bensheim

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