Leserbrief

Haus am Markt

CDU-Politik mit der Brechstange endlich durchbrochen

Wer mich kennt, der weiß, dass mein Engagement vorrangig dem Natur- und Umweltschutz gilt und ich deswegen der Wachstumshysterie vor allem der CDU, aber auch der SPD in Bensheim sehr kritisch gegenüberstehe, weil sie mit gravierenden Nachteilen für die Bürger und für die Natur verbunden ist.

Das Haus am Markt interessiert mich von daher nur am Rande. Aber wegen der heftigen Kritik an Bürgermeister Rolf Richter hat es mich nun doch gedrängt, auch dazu meine Meinung öffentlich kundzutun.

Bei allem finanziellen Schaden, der durch den Abriss des Hauses am Markt und den Rückzieher von Bürgermeister Richter jetzt entstehen könnte, wofür Kritik sicher angebracht ist, sollte man jetzt aber in diesem Fall nicht nur auf die Einzelperson Rolf Richter draufdreschen. Er hat schließlich nicht alleine entschieden, dass das nur 40 Jahre alte Haus am Markt schon jetzt abgerissen wurde. Diese Entscheidung hat die gesamte Koalition aus CDU, GLB und BfB getroffen. Diese sind die Hauptverantwortlichen für die derzeitige Lage. Nicht nur eine einzige Person. Ich bin der Ansicht, dass es von einer demokratischen Gesinnung zeugt, wenn sich unser Bürgermeister durch seinen Rückzieher jetzt dem Willen sicher der Mehrheit der Bensheimer Bürger gebeugt hat. Damit hat er die bisherige Art der Bensheimer CDU-Politik mit der Brechstange zumindest in diesem Fall einmal unterbrochen.

Es ist doch zu begrüßen, wenn ein Bürgermeister den Willen seiner Bürger beachtet. Und es zeigt, dass er in der Lage ist, seine Ansicht – durch gute Gründe – auch einmal zu verändern. Wenn es richtig sein sollte, dass unsere attraktive Marktplatz-Kirche nicht wieder ganz zugebaut werden soll, dann war doch die Entscheidung, die Bürgermeister Richter nun getroffen hat, richtig.

Bei allem Fehlverhalten der Koalition sollte die Mut erfordernde Entscheidung von Rolf Richter wertgeschätzt und erfreut zur Kenntnis genommen werden. Erst dieser Rückzug von ihm ermöglicht doch jetzt, der ganzen Sache wieder eine andere Richtung zu geben und neue Perspektiven zu haben. Mit der „Herde“ (hier ist vor allem die Bensheimer CDU gemeint) zu schwimmen, ist immer einfacher als sich ihr entgegenzustellen. Auch und gerade, wenn man in der vordersten Front der Entscheidungsträger steht.

Willi Helm

Bensheim

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