Leserbrief

Weihnachtspredigt

Christenverfolgung ist leider blutige Realität

„Aus Protest den Gottesdienst vorzeitig verlassen“, BA vom 6. Januar

Der Brief einer Leserin über die Predigt des Weihnachtsgottesdienstes vom 26. Dezember in Sankt Georg in Bensheim vermittelt den Eindruck, als könne man dem Pfarrer Voreingenommenheit oder einen Mangel an Kenntnissen vorwerfen.

Kritik übt die Schreiberin an seiner Aussage, „in vielen Ländern würden Christen verfolgt“. Leider ist dies nur allzu oft die schmerzliche und nicht selten blutige Realität. So werden in über 50 Staaten mehr als 100 Millionen Christen verfolgt. Davon werden über 100 000 Christen jedes Jahr aufgrund ihres Glaubens getötet. Das sagte der EU-Sonderbeauftragte für Religionsfreiheit, Jan Figel, 2016 bei einer internationalen Konferenz über Christenverfolgung und Verletzung der Religionsfreiheit.

In acht der zehn schlimmsten Verfolgerstaaten ist islamischer Extremismus die maßgebliche Ursache der Verfolgung. Dass Christen aus Schleuseerbooten ins Meer gestoßen werden, ist ebenso eine Tatsache wie ihre Demütigung in deutschen Lagern, wo sie bespuckt werden.

Bedroht, drangsaliert, verletzt

Eine unserer großen Tageszeitungen informierte 2016 über die erschreckenden Zustände in deutschen Aufnahmelagern: „Orientalische Christen werden hier bedroht, drangsaliert, verletzt – zum Teil von den muslimischen Peinigern, vor denen sie nach Deutschland geflohen sind. Fast alle Befragten gaben an, häufig von muslimischen Flüchtlingen angegriffen zu werden, aber auch muslimische Wachschützer sind beteiligt. Hilfsorganisationen wie Open Doors, der Zentralrat orientalischer Christen, Kirche in Not, die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte und andere schlagen jetzt Alarm.“

Das war im Jahre 2016. Bereits ein Jahr zuvor lautete die Überschrift eines Artikels in „Idea-Spektrum, Nachrichten und Meinungen aus der evangelischen Welt“: „In vielen Flüchtlingsheimen gelten die Regeln des Islams, Christen haben es in den Asylheimen schwer – sie werden bedroht, geschlagen und ausgegrenzt.“

Die Verfasserin des Leserbriefs wirft dem Geistlichen vor, dass er „keine Eingrenzung vorgenommen“ und nicht darauf hingewiesen habe, dass es sich bei den Übeltätern um „einzelne verirrte Seelen handele“. Das konnte der katholische Geistliche leider nicht tun, denn dann wäre er der Wahrheit untreu geworden.

Insgesamt sei in dem Gottesdienst dem Kirchenpublikum das Gefühl vermittelt worden: „Die Menschen jener Religionszugehörigkeit (Moslems) stoßen uns Christen aus.“ Leider gilt diese Aussage nicht nur hinsichtlich der massiven Verfolgung von Christen in Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas, sondern, wie zahllose Klagen belegen, auch für Asylunterkünfte in Deutschland.

Nach meinem Eindruck darf man dem katholischen Geistlichen dafür danken, dass er sich einem sehr heiklen Thema mit Sachkenntnis und Zurückhaltung gestellt hat.

Dieter Stephan

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger. de/leserforum

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