Leserbrief

Kirchen

Christenverfolgung nicht beim Namen nennen?

Leserbrief „Aus Protest vorzeitig den Gottesdienst verlassen“, BA vom 6. Januar

Darf ein Priester auch am Gedenktag des Märtyrers Stephanus, sozusagen mitten in der besinnlichen Weihnachtszeit, an die christlichen Opfer von Flucht und Verfolgung erinnern?

Nach Meinung der Leserbrief-Schreiberin ist das nur dann auszuhalten, wenn Muslime nicht als Täter, wenigstes aber auch als Opfer benannt werden. Denn bei aller Weihnachtlichkeit: Gewalt gegen Christen im Nahen Osten und in muslimisch geprägten Gegenden und auch woanders auf dieser Welt ist gewiss nicht immer nur die Tat einiger „verwirrter Seelen“.

Es sind aber eben jene Verwirrten, die Jahr um Jahr die christlichen Kopten in Ägypten ins ungewollte Martyrium bomben und schießen, die jeden Monat in Syrien, im Irak oder in Pakistan christliche Schulkinder einschüchtern, bedrohen oder gar zu Tode schlagen, die das Feiern jedes Weihnachtsfestes in Nordkorea oder Saudi-Arabien von Rechts wegen mit langen Gefängnisstrafen oder Auspeitschung bewehren. Da könnte man ganz unweihnachtlich ausrasten!

Daher ist es gut, dass die Kirche und in diesem speziellen Fall Pfarrer Thomas Catta sowohl an die Christenverfolgung in der Gegenwart – Christen sind die weltweit am meisten verfolgte Religionsgemeinschaft – als auch an den Heiligen Stephanus als ersten Blutzeugen unseres Glaubens erinnert. Denn der forderte noch mit dem letzten Atemzug, dass die Liebe über alle Gedanken von Rache und Vergeltung triumphieren möge. Unser Dienst als Christen gelte somit allen leidenden und nach Frieden suchenden Kriegsflüchtlingen unabhängig ihrer Religion.

Und es war gut, dass die Gemeinde im Anschluss an die Predigt für Verfolgte und Verfolger gleichermaßen gebetet hat. Dabei den guten Willen in Abrede zu stellen, ist in der in der Tat nur schwer auszuhalten.

Manfred Speck

Mitglied im Zentralkomitee

der deutschen Katholiken (ZdK)

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserforum

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