Leserbrief

Bürgerhaus

Damals hat sich niemand an der Fassade gestört

Manche Entscheidungen kann man einfach nicht nachvollziehen oder sie sind einem unbegreiflich. Das gilt für die Politik, aber auch für die Entscheidungen verschiedener Behörden oder Ämter.

Bei der Entscheidung der Denkmalbehörde in Heppenheim, im Zusammenhang mit der vorgesehenen Renovierung des Bensheimer Bürgerhauses aus ästhetischen Gründen zusätzlich einen Vorbau zu fordern, der Zusatzkosten in Höhe von einer Million Euro mit sich bringt, kann man sich nur an den Kopf greifen.

Das Bürgerhaus wurde vor 40 Jahren in Betrieb genommen und, was dessen Architektur betrifft, damals allseits in höchsten Tönen gelobt. Damals hat, so weit mir bekannt, niemand die Ansicht vertreten, dass dieses Gebäude sich nicht harmonisch in das Umfeld einfügen würde. Eher das Gegenteil war der Fall.

Aber jetzt, wo der Eigentümer dieses Gebäude endlich mal renovieren möchte, kommt die Denkmalbehörde zu dieser unsinnigen Einschätzung, die mit immensen zusätzlichen Kosten verbunden ist.

Abgesehen davon, dass dadurch jetzt durch den Steuerzahler die Mehrkosten zu stemmen sein werden, wird das irgendwann gewiss auch dazu führen, dass die Saalmieten und die Getränke dort im Bürgerhaus noch teurer werden, als sie es bisher schon waren. Wo kann man dann noch erwarten, dass der einfache Bürger sein Bürgerhaus tatsächlich auch noch nutzen wird?

Wer das Bild des von der Denkmalbehörde geforderten Vorbaus im BA vom 25. Oktober gesehen hat, der fragt sich, wie sich eine solche kastenförmige und kalte Konstruktion besser in das Umfeld einfügen soll als die seitherige Fassade des alten Bürgerhauses? Das ist doch eine völlig daneben liegende Behauptung, wie man an den sich südlich angrenzenden alten Häusern klar erkennen kann.

Bürgermeister Rolf Richter hat sich zu Recht die Frage gestellt, wie es sein kann, dass sich eine Situation nur deswegen grundlegend verändert, dass ein neuer Sachbearbeiter eine Sachlage einfach anders sieht als sein Vorgänger. Das hat doch nichts mit Objektivität zu tun, sondern ist doch eine rein subjektive Entscheidung.

In diesem Fall ist diese subjektive andere Einschätzung eines Sachverhaltes eine Million Euro „wert“. Es ist wirklich nicht zu begreifen, welche Entscheidungen manche Behörden und Ämter treffen. Da wünscht man sich manches Mal, es gäbe sie nicht oder zumindest, die zuständigen Personen wären haftbar für die finanziellen Folgen ihrer falschen Entscheidungen.

Willy Helm

Bensheim

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