Leserbrief

2 CO-Anstieg

Das Wachstum der Weltbevölkerung ist ein Problem

Mit Sicherheit ist die Menschheit schuld am CO2-Anstieg in der Atmosphäre. Auch ich begrüße alle Maßnahmen, die den hemmungslosen Verbrauch der fossilen, wertvollen, nicht nachwachsenden Rohstoffe einschränken sollen. Ob die unter dem Druck der Straße zu beschließenden Ansätze (zum Beispiel CO2-Steuer) allerdings greifen, bezweifele ich: Die vielleicht verhinderten Emissionen sind in ihrer Menge genauso putzig wie das Gesicht der Weltklima-Missionarin…

Es ist daher richtig und an der Zeit, den anderen Teil der menschengemachten, nahezu ungebremsten CO2-Erzeugung in die Debatte einzubringen: Das Wachstum der Erdbevölkerung – nach jüngsten UN-Berichten 80 Millionen Menschen pro Jahr (davon die Hälfte in Schwarzafrika); legt man nur eine Tonne CO2-Produktion pro Kopf und Jahr zugrunde (in Deutschland sind es neun Tonnen), ist leicht zu erkennen, was besonders bei uns geschehen müsste: Man sollte unter anderem durchaus ernsthaft – laut – darüber nachdenken (dürfen), die Laufzeit unserer Kernkraftwerke zu verlängern, bis die alternativen Energien inclusive Speichermedien wirklich optimal genutzt werden können (Finnland baut sogar ein neues Atomkraftwerk). Sauberen grünen Strom zu exportieren und bei Windstille und Dunkelheit Atom- und dreckigen Kohlestrom zu importieren, darf nicht der weitere Weg ins Morgen sein. Wie eine Rolle rückwärts funktioniert, könnte unsere Kanzlerin ja in Bensheim lernen…

Leider bedurfte es des unsäglichen verbalen Missgriffs eines fleischproduzierenden Trumpels, dass der Leserbriefschreiber im BA vom Mittwoch, 7. August, dessen Initiative, sich endlich mit dem Wachstum der Weltbevölkerung auseinanderzusetzen, als zeitgemäß lobend herausstellt: Braucht denn Herr Tönnies diese unverhohlene Werbung angesichts einer von den UN erwarteten steigenden Produktion von fast 50 Prozent mehr Fleisch in den nächsten 30 Jahren, von der er mit seiner Schlächterei wohl kräftig profitieren wird?

Nun ist dieser Aufruf zum Nachdenken und Handeln gar nicht so neu: Mit ein wenig Googeln stößt man auch auf die „Deutsche Stiftung Weltbevölkerung DSW“, die sich seit ihrer Gründung 1991 (durch unter anderem Dirk Roßmann) intensiv und erfolgreich dieses Themas angenommen hat. Hauptansatzpunkte sind natürlich Bildung und Aufklärung; zu letzterer sind nicht zuletzt die großen Kirchen gefordert. Ich habe allerdings keinen Hinweis darauf gefunden, dass diese sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Jochen Henke

Bensheim

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