Leserbrief

Turnvereinigung

Debatte um Neubau der Halle sprengte die Versammlung

Die Generalversammlung der Turnvereinigung Lorsch wird einigen noch lange in Erinnerung bleiben. Als Mitglied der Abteilungsleitung Handball habe ich unseren Jahresbericht vorgetragen. Schwerpunkte darin waren Informationen zum Sporthallenbau im Ehlried und die Forderung an alle Lorscher Parteien, ihren Versprechungen dazu nach der Kommunalwahl nachzukommen. Zuvor hatte bereits Vorstandssprecher Christoph Dorn in seinem Rechenschaftsbericht die Auffassung des Vereins zum Thema Mehrfeldhalle vorgetragen. Die Turnvereinigung möchte den seinerzeit geschlossenen Vertrag mit der Stadt Lorsch erfüllt sehen.

Anwesend war bei der Generalversammlung neben Bürgermeister Christian Schönung auch die Bürgermeisterkandidatin der SPD, Annette Hemmerle-Neber. Als ehemalige Handballerin ist sie dem Verein nach wie vor verbunden. Unter "Verschiedenes" befragte ein Mitglied Frau Hemmerle-Neber zum Thema Mehrfeldhalle. Auf ihrem Weg zum Rednerpult wurde sie von einem Einspruch des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Olaf Jünge unterbrochen. Er drohte, die Versammlung umgehend zu verlassen, sollte Frau Hemmerle-Neber sprechen. Der sichtlich überrumpelte Vorstand wusste mit der ungewöhnlichen Situation nicht so recht umzugehen und beendete die Versammlung abrupt.

Ich hätte - wie fast alle anderen - den Kommentar einer Kommunalpolitikerin zu einer Mehrfeldhalle gerne gehört. Erst recht von einer möglichen Bürgermeisterin, die zudem als Architektin Kompetenz vorweisen kann.

Mir ist bekannt, dass sich der Verein laut Satzung jeder parteipolitischen Betätigung zu enthalten hat. Doch schon in den vergangenen Wochen wurde seitens des Vereins das Ergebnis der Bedarfsermittlung Sporthalle mit Vertretern der Fraktionen von CDU und SPD separat diskutiert. Gespräche mit anderen Parteien sollen folgen.

Ohne Dialog und Gedankenaustausch zwischen Politik und Verein ist die Umsetzung eines Hallenbaus undurchführbar. Für die Turnvereinigung als größten Lorscher Verein hat dieses Thema höchste Priorität. Überraschend war, dass gerade ein Mitglied der Handballabteilung die Äußerung der Sichtweise von Frau Hemmerle-Neber in einer öffentlichen Versammlung unterbunden hat. Außergewöhnlich wird die Angelegenheit durch die Tatsache, dass Olaf Jünge selbst über viele Jahre Abteilungsleiter der Handballer war und sich für den Bau einer Sporthalle einsetzte.

Brisant wird es dadurch, dass er inzwischen Vorsitzender der CDU Lorsch ist und mit dem Schlagwort "Wahlkampftaktik" wirksam die Anhörung des politischen Gegners zu diesem Kernpunkt des Abends verhindert hat.

Oder sollte die Versammlung nicht erfahren, dass die Lorscher SPD den Verein voll und ganz dabei unterstützt, dass die Verträge zwischen Stadt und Verein eingehalten werden? Meiner Meinung nach ist gerade das Wahlkampftaktik.

Reinhold Wild

Lorsch

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