Leserbrief

Innenstadt

Der Bürgerwille ist nicht beachtet worden

„SPD hält Fristverlängerung für fragwürdig“, BA vom 5. Mai

Die Pressemitteilung der SPD entlarvt, was sie von Bürgerbeteiligung hält. Die Vorstellungen der eigenen Fraktion als „Bürgerwillen“ zu interpretieren, ist mehr als vermessen, da man diesen ja gar nicht so genau erfragen will.

Die Auffassung, in Krisenzeiten wie diesen, deren Folgen für niemanden absehbar sind, Schnelligkeit und Konsequenz zu fordern, zeugt nicht eben von Verantwortungsbewusstsein. Gerade in diesen Zeiten wird kaum ein Bürger eine zusätzliche Gastronomie am Marktplatz vermissen, und die zahlreich vorhandenen Gastronomen der Innenstadt werden froh sein, wenn sie diese Krise überleben können.

Misstrauen ist angebracht

Eine Systemgastronomie dagegen, die auf blauen Dunst einen Mietvertrag erhalten hat, wird in diesen Zeiten kaum auf eine saftige Entschädigung verzichten. Solange unsere Entscheidungsträger die teuren Details ihrer Entscheidung verschleiern, ist Misstrauen angebracht.

Die Attraktivität unserer Innenstadt hat keineswegs durch die Bürgerinitiative gelitten, sondern ist durch übereilte, politisch undurchsichtige Entscheidungen beschädigt worden. Durch voreiliges Agieren sollten Fakten geschaffen werden, um die daraus folgenden Sachzwänge erst zu erzeugen. Bensheim war attraktiv, bevor diese ganzen Baumaßnahmen begonnen wurden.

Mehr den Parteien verpflichtet

Mit Dringlichkeit und Eile sind noch nie vernünftige Entscheidungen zustande gekommen. Ärgerlich bleiben der voreilige Abriss des Hauses am Markt, der Quasi-Abriss des Bürgerhauses und das voreilige Fällen der Bäume auf Klodzko- und Marktplatz. Der Bürgerwille ist bei keiner der getroffenen Entscheidungen beachtet worden, ein Bürgerentscheid wurde gar nicht erst erwogen.

Da hilft auch nicht die Feigenblattfunktion eines „Bürgerdialogs“, der unliebsame Vorschläge wie eine Nichtbebauung recht schnell fallen lässt. Einem Ideenwettbewerb, der als Ergebnis eine Nichtbebauung favorisieren würde, könnte allerdings eine sehr schnelle und kostengünstige Umsetzung folgen.

Das Demokratieverständnis „unserer“ Volksvertreter scheint mir mehr als fragwürdig. Sie fühlen sich offensichtlich mehr ihrer Partei als uns Bürgern verpflichtet. Wie anders soll man die zahlreichen bezüglich der Innenstadtsanierung getroffenen Fehlentscheidungen interpretieren, die uns Steuerzahler noch teuer zu stehen kommen werden.

Doris Tiemann

Bensheim

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