Leserbrief

Thilo Sarrazin

Der Kommentator widerspricht sich selbst

„Er muss raus“, Kommentar im BA vom Freitag, 24. Januar

Es heißt in dem Kommentar, Thilo Sarrazin, ehemaliges Mitglied im Vorstand der Bundesbank und einstiger Berliner Finanzsenator, sei ein „hartherziger Rechtspopulist“. Ihm ginge es mit seinen Büchern „vor allem um den Mammon“. Woher weiß der Schreiber das?

In seinem Buch „Der neue Tugendterror“ würde Sarrazin behaupten, es gäbe in Deutschland ein Rede- und Denkverbot. Damit liege er falsch. „Er darf sagen, was er will.“ Wohin es führt, wenn einer „sagt, was er will“ bringt der Kommentator auf einen kurzen Nenner: Thilo Sarrazin wird von ihm als „Rassist“ und „Hetzer“ beschimpft. So wird ein Mensch diskriminiert und an den schmutzigen Rand der Gesellschaft geschoben, der arbeitet, Leistung bringt, für die Schwächeren Steuern zahlt und sich auch noch große Sorgen um die Zukunft Deutschlands auf die Schultern lädt.

Nach unserem Grundgesetz darf niemand wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Dem Kommentator ist es offensichtlich entgangen, wie sehr er sich selbst und dem Grundgesetz widerspricht, wenn er Sarrazin als Rassist und Hetzer an den Pranger stellt. Die Aussagen seiner Bücher werden als niveaulos abqualifiziert – auch mit einem Zitat, das aus dem Zusammenhang gerissen wurde –, obwohl schon ein kurzer Blick in Sarrazins Quellennachweise ausreicht, um zu erkennen, wie sorgfältig er recherchiert hat.

Keine „kranken Behauptungen“

In seinem Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ und erst recht auf über 400 Seiten seines Buches „Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ setzt er sich kritisch und differenziert mit dem Islam auseinander – aber er „wettert“ nicht gegen Islam und Muslime. Und er stellt erst recht keine „kranken Behauptungen“ auf.

Der Kommentar erinnert mit seiner Intoleranz, seinen Unterstellungen und seiner Sprache an das viel beklagte Mobbing, wo es um ein massives Runtermachen, Bloßstellen, Ausgrenzen und um Diffamierung geht.

Was ist von der Empfehlung zu halten, Sarrazin solle doch der AfD beitreten? Zwar heißt es im Grundgesetz, dass niemand wegen seiner politischen Anschauungen benachteiligt werden dürfe, doch die Wirklichkeit sieht mitunter ganz anders aus. In einer unserer großen Tageszeitungen war zu lesen, dass ein Mädchen in Berlin vom Besuch der Waldorfschule ausgeschlossen wurde, weil ihr Vater Mitglied der AfD ist. Dieselbe Zeitung berichtete auch über den Inhaber der Spreewälder Hirsemühle, der mehrere Biomarktketten als Kunden verlor, als bekannt wurde, dass er der AfD angehört.

Das politische Klima in Deutschland ist stickig geworden – nicht zuletzt durch den „Aufstand der Anständigen“, welche „betroffen“ und „fassungslos“ auf die „ewig Gestrigen“ reagieren, deren Meinung sie als „rechtspopulistisch“, „nicht hinnehmbar“ oder „rassistisch“ abwerten.

Auf diese Weise wird der Andersdenkende moralisch diffamiert und einer sachlichen Auseinandersetzung der Boden entzogen.

Dieter Stephan

Bensheim

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