Leserbrief

Naturschutz

Der Wolf frisst die Tiere, die es schon immer im Wald gab

Erhalt der Kulturlandschaft als Schutz vor dem Wolf, BA vom 1. August:

Mit etwas Befremden und auch Verwunderung habe ich den Artikel gelesen. Ich selbst bin weder ein sogenannter Wolfsexperte noch Jäger oder Förster. Ich war einige Jahre Wolfsbotschafter beim Naturschutzbund und habe entsprechende Vorträge gehalten.

Herr Hannewald formuliert ja, dass die Rückkehr des Wolfes hauptsächlich durch die Veränderung der Kulturlandschaft zu begründen ist. Leider wird vergessen, dass der Wolf seit 1990 nach dem Bundesnaturschutzgesetz höchstmöglichen Schutz genießt. Also nicht mehr bejagt werden darf. Das ist so ziemlich der Hauptgrund, warum sich Wölfe wieder ausbreiten. Denn es gab in Deutschland immer Wälder und Rückzugsmöglichkeiten für den Wolf. Intensive Land- und Forstwirtschaft hin oder her.

Dass am Ende des Berichts der Wolf als Nutztier-Verspeiser dargestellt wird, ist leider nicht einmal die halbe Wahrheit. Der Wolf frisst hauptsächlich die Tiere, die es schon immer im Wald gab: Rehe, Hirsche, Wildschweine, Hasen und andere. Davon gibt es immer noch reichlich, was die vielen Verkehrsunfälle durch Wild und auch der starke Verbiss im Wald belegen.

Dass Wölfe auch Nutztiere reißen, ist unbestritten. Und dafür müssen und werden auch Hilfen bereitgestellt. Da fällt mir ein, dass eine andere Leserbriefschreiberin meinte, dass Herdenschutzhunde gegen den Wolf zu benutzen quasi Tierquälerei ist. Weil solche Kämpfe ja auch den Hund verletzen könnten.

Schutzhunde sind wirksam

Der Wolf ist ein Opportunist. Ein Wolf würde nie ein Beutetier reißen, wenn er sich dabei unnötig verletzen würde. Denn Wölfe haben keine Tierärzte. Deshalb werden Herden mit Schutzhunden nicht angegriffen. Ich freue mich, dass der Wolf zurückkommt, weil er ein Teil unserer Wälder ist. Dabei sollten sich aber alle Parteien – Jäger, Förster, Nutztierhalter, Naturschützer – an einen Tisch setzen. Der Wolf ist, wie gesagt, geschützt, EU-weit sogar. Damit muss und sollte sich jeder auseinandersetzen.

Alex Gebhardt

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien unter bergstraesser-anzeiger.de/ leserbriefe

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