Leserbrief

Liebfrauenschule

Die Entscheidung des Bistums Mainz ist fatal

Dass es der Katholischen Kirche und somit dem Bistum Mainz finanziell nicht gut geht, überrascht aufgrund der hohen Austrittszahlen nicht. Dies ist ein Problem, das sich schon seit Jahren abzeichnet. Die Corona-Pandemie und deren Auswirkung auf den finanziellen Spielraum vieler Haushalte tut nun ihr Übriges. Das Bistum Mainz ist somit in einer ähnlichen prekären Lage wie viele Menschen, die ihren Gürtel enger schnallen müssen.

Letzte Woche wurde die Tragweite der nötigen Einsparungen offiziell. Zahlreiche Schulen sowie Bildungshäuser werden geschlossen oder in eine andere Trägerschaft übergeben. So auch die Liebfrauenschule in Bensheim. Seit 1858 existiert diese Bildungseinrichtung im Oberhof, oberhalb der Innenstadt. Generationen von jungen Frauen wurden hier unterrichtet. Neben einer fundierten fachlichen Ausbildung gehört die Vermittlung von christlichen Werten und das religiöse Miteinander zum Proprium der Schule. Nun also das Ende einer christlichen Schule – nach 160 Jahren?

Kurzsichtige Einsparungen

Die Entscheidung des Bistums nun auf die Bildung junger Frauen zu verzichten ist fatal. Einsparungen dieser Art können nicht mit dem Taschenrechner, basierend auf nackten Zahlen, getroffen werden. Dies wäre kurzsichtig. Denn in Einrichtungen wie der LFS wird Generationen von jungen Menschen der christliche Glaube nähergebracht. Auch Kinder, deren Familien der Kirche nicht nahestehen, erfahren hier gelebten Glauben und tragen ihre Erfahrungen weiter.

Nicht nur durch Gottesdienste und sozialen Projekte wird hier der christliche Glauben erlebt. Auch ganz konkret in der Schulgemeinschaft sind christliche Werte erfahrbar. So engagieren sich Lehrkräfte oft auch über den schulischen Alltag hinaus und unterstützen beispielsweise bei Problemen familiärer Art. Dies ist doch selbstverständlich, sollte man meinen. Nein, ist es nicht. Christliche Werte stehen hier nicht nur auf dem Papier. Sie werden gelebt.

Männerdominierte Kirche

Das Augenmerk in schwierigen Zeiten auf die Ausbildung von Mädchen zu legen, wäre ein wichtiges Signal einer männerdominierten Kirche, ein Signal der Wertschätzung und des Wandels. Die LFS prägt das Stadtbild und das gesellschaftliche Leben Bensheims. Mit dem katholischen Kindergarten, den Maria Ward Schwestern, die angrenzend wohnen und der Nachbarschaft zur Stadtkirche Sankt Georg existiert hier, im Stadtzentrum Bensheims, ein Ort des aktiven, vielseitigen, generationenübergreifenden religiösen Lebens. Dies ist wahrlich selten in Zeiten, in denen die Kirche altert und immer mehr Menschen sich von ihr abwenden.

Das Bistum Mainz muss sparen. Dies ist unumgänglich. Auch viele Familien im Bistum, die unter den Auswirkungen der Pandemie auch in finanzieller Hinsicht leiden, müssen priorisieren und ihre Ausgaben reduzieren.

Sie kämen jedoch nicht auf die Idee bei der Ausbildung ihrer Kinder anzufangen. Doch wo setzen diese den Rotstift an? Vielleicht bei der Kirchensteuer

Marianne Rogowski

Teresa Kohl

Bensheim

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