Leserbrief

Konvikt

Die Kirche wusste definitiv von den Praktiken

„Heute die Liebfrauenschule, damals das Konvikt“, BA vom 20. Oktober

Danke für den Bericht. Als ehemaliger Schüler des Konvikts – seinerzeit auch unter dem Namen Knast bekannt – hat mich primär dieser Teil des Berichtes interessiert. Beim Lesen der Überschrift habe ich mir gründlich überlegt, ob ich diesen Artikel tatsächlich lesen und mir das (nochmals) antun will.

Züchtigung war legal

Ich hätte mir gewünscht, dort auch die Namen der sadistischen respektive pädophilen Erziehungsbeauftragten zu lesen, die im Namen und mit Wissen der Katholischen Kirche gehandelt haben. Ich nehme an, das versteht man landläufig unter „Täterschutz“, wobei zumindest die brutale körperliche Züchtung durch einen der Vorgänger des Hausleiters, der sich Ende der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts an den Jungen versündigte, doch völlig legal war.

Die Katholische Kirche wusste definitiv von den Praktiken – und ohne die Einwilligung der Eltern der Schutzbefohlenen zu brutalen Schlägen zwecks Züchtigung wäre – zumindest Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts – kein Junge aufgenommen worden.

Wir dürfen gespannt sein, was wir in der Causa Liebfrauenschule in ihrer geschätzten Zeitung noch alles lesen werden. Es ist sicherlich nicht davon auszugehen, dass die Katholische Kirche ihre bewährte Kommunikationsstrategie ändern wird.

Stefan Beyer

Darmstadt

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