Leserbrief

Coronavirus

Die Krise wirft uns auf uns selbst zurück

Coronavirus – Solidarität und Hilfsbereitschaft entwickeln, BA vom 17. März:

Inhaltlich stimme ich der Leserzuschrift zu, frage mich aber auch, was die Krise für uns persönlich bedeutet und wie weit sie unser Denken und Handeln beeinflussen kann oder sogar sollte.

Einmal könnte uns die gegenwärtige Situation zu der Einsicht verhelfen, dass wir nicht alles im Griff haben und dem Leben und unserem Konsumverhalten gegenüber etwas demütiger werden.

Das könnte auch zu der Frage führen: Wem kann ich wirklich vertrauen, auf wen oder was kann ich mich letztendlich verlassen? Offensichtlich gibt es wohl doch noch etwas mehr als den so oft beschworenen Menschenverstand, der alles beherrscht und möglich macht, dem keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen.

Die Tatsache, dass unser nach außen orientiertes Leben und damit so gut wie alle Zerstreuungsmöglichkeiten drastisch eingeschränkt oder vorübergehend unmöglich sind, wirft uns auf uns selbst zurück. Wir müssen also mit uns fertig werden und klarkommen und irgendwie bei und in uns selbst zu Hause sein – eine ganz schöne Anforderung, die aber auch eine heilsame Wirkung haben kann.

Ein tieferer Sinn für das Leben?

Denn brauche ich wirklich all das an Zerstreuung, was ich mir bisher zugemutet habe oder kann ich da nicht reduzieren und für mich klären, was mir für mein Leben wirklich wichtig ist und ihm vielleicht einen erfüllenderen und tieferen Sinn gibt? Könnte es sogar sein, dass Verzicht glücklich(er) macht?

Die bisherigen Maßnahmen sind tiefe Eingriffe in unser gewohntes Leben – zum Wohle aller aber unabdingbar – und tragen in einem bislang nicht gekannten Ausmaß zur Entschleunigung des Alltags bei. Vielleicht spürt der eine oder die andere dabei trotz aller Unsicherheiten aber auch, wie wohltuend das ist, wenn ich mich mal nicht so stark nach außen ausrichten und allen möglichen „Verführungen“ auf den Leim gehen muss.

Insofern könnte die geschenkte Zeit auch zu einer Zeit der Besinnung und Umkehr, also zur Veränderung des Gewohnten werden. Das passt doch ganz gut in die Fastenzeit. Denn Fasten im eigentlichen Sinn bedeutet ja, einmal bewusst auf bestimmte Dinge zu verzichten und den Mitmenschen gegenüber Solidarität zu üben.

Selten war der Zeitpunkt so günstig wie jetzt, um endlich ein Tempolimit für unsere Autobahnen zu dekretieren. Umkehr und Solidarität sind gefragt – jetzt.

Fritz Hempler

Lautertal

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