Leserbrief

Bauschutt-Anlage

Die Stadt hätte den Ortsbeirat ernst nehmen müssen

Ortsbeirat lehnt Recycling-Anlage ab, BA vom 19. September:

Mit großem Interesse habe ich den ausführlichen Bericht über die Ortsbeiratssitzung Kolmbach gelesen. Ich war an diesem Abend selbst anwesend. Es war sehr schön zu erleben, wie sich fast alle Mitglieder des Ortsbeirates und die Bürgerinitiative für das Wohl der Kolmbacher Bürger interessiert und gekümmert haben.

Besonderen Dank an Hartwig Haas, der die Interessen der Initiative offiziell vertreten hat. Dank auch für die Haltung von Stefan Ringer. Als Stadtverordnetenvorsteher positionierte er sich kritisch gegenüber der Anlage und dies, obwohl er zunächst am 21. Juni ihrem Bau zugestimmt hat. Ortsvorsteher Kurt Dersch moderierte hervorragend, auch er positionierte sich klar gegen die Planung. Es ist schön, in einer solchen Gemeinschaft zu wohnen.

Enttäuschend war die Haltung von Bürgermeister Michael Helbig. Bereits beim Eintritt würdigte er die Kolmbacher Bürger kaum. Während der Sitzung hatte man mehr den Eindruck man spreche hier mit einem Investor und nicht mit dem Bürgervertreter. Nicht von ungefähr kam dann auch der Wunsch von Alfons Schmidt, Helbig möge sich doch auch als Kolmbacher fühlen, wir sind auch ein Teil von Lindenfels. Zumindest hat Helbig zugegeben, die Kommunikation und Einbindung der Bürger und des Ortsbeirates hätte besser sein können.

Ich bin gerade dabei, die rechtliche Bindung des „vereinfachten Verfahrens“ zu hinterfragen. Ich habe hierzu das Regierungspräsidium (RP) und seine Bürgerbeauftragte Petra Schmitt angeschrieben. Da werden niedrigste Werte benannt, um in den Genuss eines einfachen Genehmigungsverfahrens zu kommen, dies dann ohne Einbindung des Ortsbeirats und der Bürger. Dieses Datengerüst ist brüchig und kann und darf so nicht eine offizielle Stelle passieren.

Offiziell genannte Eckdaten zu der Anlage: Jahresmenge 21 100 Tonnen, Lagerkapazität 4190 Tonnen, mobile Brechanlage mit einer maximalen Kapazität von 70 Tonnen in der Stunde, maximal 13 Lkw am Tag, maximal zehn Brecheranlagen-Termine mit ein bis zwei Tagen.

1688 Lkw im Jahr

Um die Jahresmenge zu verarbeiten sind 38 Betriebstage bei Volllast und acht Stunden Betrieb nötig. Ein Lkw kann bis zu 25 Tonnen transportieren. Es werden also im Jahr bis zu 1688 Lkw durch das Lautertal fahren. Angenommen, die Lieferungen verteilen sich auf 150 Tage im Jahr und die Abfuhren auf die Kampagnentage plus zwei Tage danach. Dann entspricht das 21 Lkw pro Tag. Es wird gegenüber dem RP aber angegeben, dass die Anlage maximal 20 Tage pro Jahr läuft und 13 Lkw am Tag das Maximum sind.

Der Bürgermeister gibt an, es entstünden vier Arbeitsplätze. Die Firma muss sehr sozial sein. Sie gibt an, die Anlage werde nur für Anlieferungen und Abfuhren geöffnet. Das Brechen des Materials erfolgt an 20 Tagen. Ob da vier Arbeitsplätze entstehen? Einen Eindruck von solchen Anlagen kann man sich im Internet machen. Ich schlage vor, eine Anlage im Betrieb zu besichtigen.

Ich bin für die Aktivierung von Lindenfels, industriell und auch in seiner Attraktivität. Ich habe aber ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und bin Logiker. Wäre die Anlage professionell und auf Fakten basiert vorgestellt worden, hätte man Zusagen der Stadt getroffen, die Einhaltung der Maximalwerte genauestens zu prüfen und bei Abweichung Konsequenzen zu ziehen, hätte man als Stadt eine eingehauste Anlage gefordert, hätte man Ortsbeirat und Bürger ernst genommen: es hätte klappen können.

Jürgen Fleer

Kolmbach

Info: https://youtu.be/iwBnHGV–rdA https://youtu.be/T3TeeaYFbPs

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