Leserbrief

Sarrazin

Dohnanyi ist bereit, Sarrazin zu verteidigen

„Er muss raus!“, Kommentar im BA vom Freitag, 24. Januar

In dem Kommentar nennt der Autor Thilo Sarrazin einen Rassisten, der in der SPD nichts verloren habe.

Einer der reputierlichsten SPD-Politiker, Klaus von Dohnanyi, ehemaliger Bundeswissenschaftsminister und Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, ist ganz gegenteiliger Meinung. In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 6. September 2010 ist er der Auffassung, dass es nützlich sei, die Zusammenfassung eines faktenreichen Buches (Thilo Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab“) zu lesen, und er gibt sie verkürzt wieder.

Auf Seite 326 des Buches mit dem Untertitel „Was tun“ heiße es, jeder sei willkommen, der bereit sei, Deutsch zu lernen (wir sollten aber nicht vergessen, dass Teile der deutschen Politiker, die Pflicht Deutsch zu lernen, als „Zwangsgermanisierung“ betrachteten), zu arbeiten, Bildungsehrgeiz zu entfalten und sich den Sitten und Gebräuchen anzupassen. Es sei mindestens für die Kinder anzustreben, Deutsche zu werden. Muslime, Heiden oder Christen hätten dieselben Rechte und Pflichten. Wer wolle, dass er und seine Kinder Türken oder Araber blieben, wäre im Herkunftsland besser aufgehoben, denn wir wollten keine nationalen Minderheiten (Parallelgesellschaften). Wer nur am deutschen Sozialstaat interessiert sei, sei nicht willkommen.

„Soweit Sarrazin und gängige Praxis in anderen Ländern. Hier soll das alles falsch sein? Alles ,rassistisch’?“, fragt Dohnanyi. Keine Scheu vor Debatten und keine Feigheit mehr vor Worten wie Rasse, Juden, Muslime zeigen. Man dürfe über sie nachdenken und man dürfe sie benutzen. „Nicht gedankenfeige sein! Aber nie rassistisch!“ Soweit Dohnanyis Fazit.

Dohnanyi ist bereit, Sarrazin vor der Schiedskommission der SPD zu verteidigen, da er der Ansicht ist, dass Sarrazin wegen dieses Buches aus keiner europäischen Linkspartei ausgeschlossen würde.

Wir dürfen gespannt sein.

Karl Hügle

Bensheim

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