Leserbrief

Lorscher Krippe

Eigeninitiativen bei der Betreuung erforderlich

Im Bericht vom 15. September werden die Sachzwänge der modernen Gesellschaft real aufgezeigt. Die doppelte Vollerwerbstätigkeit (Mann und Frau sind berufstätig) ist bereits wesentlicher Bestandteil für das notwendige Einkommen zum Lebensunterhalt und hat weitreichende Auswirkungen auf die familiären Sachzwänge - speziell für Berufstätige mit Kleinkindern.

Die Meinung von Bürgermeister Christian Schönung (BA vom 14. September) "6,5 Stunden, die sie außerhäusig in einer größeren Gruppe betreut werden, sind für Kleinkinder aber schon ein vergleichsweise langer Arbeitstag", zeigt die Rücksicht für die Bedürfnisse der Kinder auf.

Kinder können Eltern nicht pflegen

Diese Belange kann der Staat nicht umfassend regulieren. Es sind Eigeninitiativen erforderlich, um die Betreuung sicherzustellen. Bei der Beschäftigung mit dem Thema Betreuung stellt man bald fest, wie vielseitig und generationenübergreifend es ist. Neben der Kinderbetreuung ist die Altenbetreuung - beides gewichtige Zukunftsangelegenheiten - schon jetzt mit Problemen gegenwärtig.

Wegen beruflicher Beanspruchung können 57 Prozent der "Kinder" die eigenen Eltern nicht pflegen. Gleichzeitig besteht für die Generation (50 bis 65 Jahre) - aufgrund der Erwerbstätigkeit ihrer Kinder - durch die Betreuungsbedürfnisse der Enkel zusätzlicher Druck.

Nur für Vermögende nutzbar

Die Anstrengungen der Bundesregierung, die Erfordernisse gesetzlich zu regeln, sind problematisch. Zum Beispiel ist das Pflegezeitgesetz mt sechsmonatiger Freistellung ohne Einkommen nur für Menschen mit Geldvermögen nutzbar. Der "Renovierungsversuch" in Familienpflegezeit mit 75-Prozent-Regelung hat Einkommenseinbußen von 25 Prozent über vier Jahre - zusammen zumindest ein Jahreseinkommen - und geringere Rentenansprüche zur Folge.

Vollzeitstellen wurden abgebaut

Die Vollerwerbstätigkeit hat außerdem einen gewaltigen Einschnitt auf dem Arbeitsmarkt gebracht. Dafür hat die Bundesregierung keinen Ausgleich geschaffen. Im Gegenteil: Die unzureichende Regelung der Kurzbeschäftigung (Mini-Jobs, 400-Euro-Stellen) wird von Unternehmen genutzt, um Ganztagsstellen abzubauen.

Seit 1991 wurden im Bundesgebiet die Vollzeitstellen um 21 Prozent (6,2 Millionen) reduziert. Das ist die Hauptursache der hohen Langzeitarbeitslosigkeit.

In meinem Grundlagenkonzept "Solidarität für Familie und Beschäftigung" (der BA hat berichtet) werden diese Belange gemeinsam betrachtet. Wann werden diese dringend erforderlichen Maßnahmen in die Tat umgesetzt?

Otto Kompa

Heppenheim

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