Leserbrief

Christophorusschule

Ein Begleiter, der schützt und ermutigt

„Streit um christliche Symbole“ (BA vom 10.2.2018)

Als ich den Artikel angelesen habe, dachte ich im ersten Moment, das ist doch wohl ein Faschingsscherz. Aber es scheint bitterer Ernst zu sein, was sich seit Wochen in Hambach abspielt. Was hat der Vater der sechsjährigen Grundschülerin nur seiner Tochter von Christophorus erzählt, dass sie Schaden davon nahm?

In der Legende von Christophorus ist die Rede von einem großen und starken jungen Mann – wie ein Riese –, der dem mächtigsten König der ganzen Welt dienen wollte. Ein weiser Mann sagte ihm, er solle den Menschen über einen gefährlichen Fluss helfen. Wie die Geschichte ausging, dürfte den meisten bekannt sein: Christophorus nahm ein Kind auf seine Schultern, stieg ins Wasser und wollte das Kind hinübertragen. Das Wasser wuchs höher und höher, und das Kind war so schwer wie Blei. Am anderen Ufer angekommen, sagte Christophorus: „Du bist auf meinen Schultern so schwer gewesen. Hätte ich die ganze Welt auf mir gehabt, wäre es nicht schwerer gewesen.“ Das Kind antwortete: „Das soll dich nicht wundern. Du hast mehr als die ganze Welt auf deinen Schultern getragen: den, der Himmel und Erde erschaffen hat und der alle Menschen liebt.“

Eine schöne Geschichte, wie ich meine! Dagegen sind viele Märchen der Gebrüder Grimm gruselig: Da frisst der Wolf die Großmutter und wird nachher aufgeschlitzt, die Stiefmutter setzt die Kinder im Wald aus, die Hexe wird im Ofen verbrannt, und der Königssohn stürzt vom Turm herab und sticht sich die Augen aus …

Natürlich kennen viele die Märchen noch aus eigener Kindheit. Ich kann nicht für mich behaupten, dass ich davon einen Schaden davongetragen habe.

Dass die Geschichte von Christophorus vermutlich Legende ist, ändert nichts daran, dass er uns zum Vorbild werden kann und ermutigt, einander zu tragen. Und vielleicht entdecken wir dabei unsere Liebe zum Nächsten, im Anderen, dem wir gerade beistehen.

Patron der Pilger und Reisenden

Übrigens: Christophorus wird seit dem 3./4. Jahrhundert verehrt; er ist dargestellt auf Autoplaketten, Schlüsselanhängern und Hauswänden. Sein Bild findet sich an Toren und Türmen. Christophorus gilt als Patron der Pilger und Reisenden, der Schiffer und Flößer. Und wie Christophorus einst die Menschen sicher über den Fluss brachte, erinnern sich viele Reisende an Christophorus in dem Wunsch, dass auch sie ihre Reise wohlbehalten beenden können.

Christophorus ist einer der beliebtesten Heiligen im christlichen Europa und seit 1953 als Graffito an der Grundschule in Hambach. Lassen Sie die Schule im Dorf – und lassen Sie ihn dort, wo er seit vielen Jahren sowohl Einheimische als auch Touristen erfreut und vor allem die Kinder der dortigen Schule durch sein tugendsames Vorbild.

Im Falle Hambachs dient er auch als Erinnerung an die schweren Überschwemmungen in den 50er Jahren. Christophorus oder: Wer hätte nicht gerne einen Riesen an seiner Seite?

Franz Fertig

Bensheim

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