Leserbrief

Radverkehrskonzept Bergstraße

Ein Plan, nicht frei von einigen Seltsamkeiten

„Fast 900 Kilometer Radwege im Blick“ (BA vom 24.8.2020)

Mit großen Erwartungen habe ich kürzlich die Vorstellung des „Radverkehrskonzepts Kreis Bergstraße“ in Lorsch besucht. Desillusioniert habe ich sie wieder verlassen.

Im Vorfeld wurden online mehr als 1000 Hinweise auf Schwachstellen im Radwegenetz des Kreises gesammelt. Eine Mitarbeiterin eines Planungsbüros hat sich auf dem Rad alles angesehen. Städte, Gemeinden, Behörden und ein Radfahrerverein wurden einbezogen. Es wurde geplant. Nun soll im Kreistag beschlossen und dann umgesetzt werden.

Meiner Meinung nach hat man einen Schritt vergessen: Diese jetzt erstellte Planung muss mit denen, die die Radwege nutzen sollen, vor Ort besprochen werden. Im Alltag werden mit dem Rad Strecken bis 3, 5, selten 10 Kilometer zurückgelegt. Und das von Leuten, die sich in ihrer Region auskennen, weil sie da wohnen, leben. Deren Bedürfnis und Kompetenz ist es, die diese Planung erst wirklich praxisnah werden lassen.

Bei einem nur flüchtigen Blick auf die in Lorsch präsentierten Karten sind mir im Umfeld meines Wohnortes drei „Seltsamkeiten“ ausgefallen. Eine möchte ich exemplarisch hier skizzieren.

Beispiel Rodau-Landwaden

Wohl als „Lückenschluss“ gedacht, soll ein Wirtschaftsweg vom nördlichen Ortseingang Rodaus in Richtung Langwaden zum Radweg ausgebaut werden. Es gibt hier etwas abseits bereits einen befestigten Wirtschaftsweg, dem ein Radwegschild fehlt und der doch von den Einheimischen täglich genutzt wird. Ein Vorteil der zusätzlichen Verbindung wäre da vielleicht eine Fahrzeitverkürzung im Rahmen von drei bis fünf Minuten.

Aber darüber hinaus wurde nicht bedacht, dass das Radwegenetz zwischen Rodau, Langwaden, Fehlheim und Schwanheim mit der anstehenden Renaturierung des Winkelbachs ganz neu gestaltet wird. Eine Brücke bei Langwaden wird wegfallen. Ohne diese Brücke wird die neue Radverbindung praktisch zur Sackgasse. Die Landwirte wird es freuen: ein asphaltierter Wirtschaftsweg ohne Radfahrer, die sich über den Dreck darauf mokieren.

Appell: Mit Nutzern sprechen

Ich appelliere an die Verantwortlichen, mit dem jetzt erstellten Plan sich unters Volk zu mischen. Stellen Sie ihn in jedem Dorf, jedem Weiler, jedem Wohnquartier vor. Prüfen Sie dieses Vorhaben mit der Kompetenz derer, die die Wege nutzen sollen.

Wenn ich allein drei „Seltsamkeiten“ im nahen Umkreis meines Wohnortes ausmache, wie viele werden es dann im ganzen Kreis sein?

Robert Loreth

Langwaden

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