Leserbrief

Gewerbegebiet Im Gehren

Ein verzweifelter Geist, der dringend Geld benötigt

Kolmbacher wehren sich gegen die geplante Bauschutt-Anlage, BA vom 28. August:

Herzlichen Dank für den aufschlussreichen Artikel zum Thema Bürgerinitiative gegen den Bau einer Bauschutt Recyclinganlage zwischen Gadernheim und Kolmbach. Ich wohne seit dem Jahr 2000 mit meiner Familie in Kolmbach, habe zuvor in Gadernheim gewohnt. Die Region, insbesondere die wunderschöne Natur sind mir ans Herz gewachsen.

Obwohl ich in der Region Offenbach arbeite, pendle ich seit mehr als zehn Jahren – mit immer wieder bewundernden Blicken – durch die Landschaft des vorderen Odenwaldes.

Zunächst auch meinen Dank an die engagierte Kolmbacher Bürgerinitiative. Wir müssen froh sein, wenn sich Gruppen engagieren, hat sich der durchschnittliche Deutsche doch innerlich zurückgelehnt und akzeptiert viel zu viel. Engagement wird schnell abgetan, um die eigene Lethargie zu schützen. „Fridays for Future“ ist ein gutes Beispiel.

Ich kann die Stadt Lindenfels hier nicht verstehen. Seit Jahren können wir erleben, wie Lindenfels mehr und mehr verschläft und an Attraktivität verliert. Das ist das Los der ländlichen Gemeinden, ist hier als Begründung zu wenig. Es fehlt einfach an Ideen zur kreativen Reaktivierung der früheren „Perle des Odenwaldes“. Der Niedergang wird verwaltet, und wenn das Amt des Bürgermeisters ausgeschrieben wird, ist es so schlimm um Lindenfels bestellt, dass wir nicht einmal mehr Bewerber außer dem Amtsinhaber haben.

Viele Herausforderungen

Dank trotzdem für das Engagement des Teams der Stadt und an unseren Bürgermeister Michael Helbig. Wenn ich die Erfolge und die Entwicklung der Stadt kritisiere, so fehlt mir der Blick auf viele zusätzliche Herausforderungen, die Veränderung in Städten erschweren. Hier bezüglich der Recyclinganlage geht es nun aber in die Ebene des gesunden Menschenverstandes beziehungsweise zu Grundlagen des Managements.

Die Idee, eine Recyclinganlage so eng zwischen zwei Gemeinden anzusiedeln, kann meiner Ansicht nach nur aus einem verzweifelten Geist stammen, der dringend Geld benötigt. Das nächste Wohnhaus in Kolmbach ist 250 Meter entfernt, das nächste Wohnhaus in Gadernheim 310 Meter (Angaben nach Google-Earth).

Eine wenig Recherche, ein wenig regionale und überregionale Information reicht und rasch stößt man auf die wenig geniale Einschätzung: Das ist nicht gut. Wir treffen auf die erfolgreiche Bürgerinitiative in Bensheim gegen eine dort geplante Recyclinganlage, wir treffen in Google bei der Suche nach „Bürgerinitiative + Recyclinganlage“ auf 3760 Treffer, bei „Bürgerinitiative + Bauschutt + Zerkleinerungsanlage“ auf 1260 Treffer und bei „Bürgerinitiative + Recyclinganlage + Klage“ auf 870 Treffer.

Ich kenne solche Anlagen sehr gut. Mein Bruder betreibt seine Kfz-Fachwerkstatt im Weidenring 20 in Bensheim. Dort gegenüber ist eine Recyclinganlage in Betrieb. Hier hat sie aber auch Sinn, im Rücken der Anlage ist die geräuschintensive Autobahn.

Es ist trotzdem beeindruckend, wenn die Anlage läuft und zerkleinert, welcher Staub dort entsteht und welcher Krach. Beton zu brechen, braucht halt gewaltige Kraft.

Geld in Klage ist sinnvoll investiert

Hätten unsere Vertreter der Stadt Lindenfels nun recherchiert, hätten sie eine solche Anlage einmal im Betrieb besichtigt, hätten sie sich nochmals die Entfernungen am Ort vor Augen geführt – eine solche Idee oder gar Zusage wäre nicht zustande gekommen. Die topographische Lage des Gewerbegebietes Im Gehren im Talboden benötigt nicht das Fachwissen eines Akustikers, um zu erahnen, wie sich die Geräusche verbreiten.

Die Höhenlage des vorderen Odenwaldes mit oft stärkerem Wind lässt ähnliche Prognosen bezüglich der Staubverbreitung zu. Als Indikator der akustischen Auswirkungen kann die Geräuschmelodie der soundverliebten Motorradfahrer mit Mir-sind-Natur-und-Menschen-egal-Auspuffanlagen an Wochenenden genutzt werden.

Ich wurde durch den Artikel sensibilisiert und werde mich unterstützend engagieren, Kontakt zu der Gruppe um Alfons Schmidt aufbauen und intensivieren. Ich bin ebenso gerne bereit, privates Geld in eine Klage fließen zu lassen. Jeder investierte Euro ist hier ein sinnvoller Euro. Eine solche Anlage zerstört nicht nur das Naherholungsgebiet und damit Lebensqualität, es werden auch Werte der Anwohner zerstört. Die Klage ist so gesehen keine Klage gegen die Stadt, es ist eine Investition in Sinn und Werte.

Danke für den höchst informativen Artikel.

Familie Jürgen Richard Fleer

Kolmbach

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