Leserbrief

Organspende

„Eine doppelte Widerspruchslösung lehne ich ab“

„Die Ärzteschaft sieht unseren Körper nur oberflächlich an“, Leserforum im BA vom Donnerstag, 11. April

In seinem Leserbrief behauptet der Autor, auch ich wolle „durchsetzen, dass alle Bürger in Deutschland automatisch Organspender sind – außer, wenn sie dem widersprechen“. Diese Behauptung ist schlicht falsch. Eine (doppelte) Widerspruchslösung habe ich bereits in der Vergangenheit abgelehnt und ich lehne sie auch heute ab. Ich halte dieses Lösungsmodell für einen nicht akzeptablen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper.

Ob man nach dem Tod Organe spenden will, ist für mich eine individuelle Entscheidung, die man bewusst und aktiv treffen muss. Man kann allerdings darüber diskutieren, ob bei Beibehaltung der geltenden Rechtslage gleichwohl eine gezieltere Aufklärung stattfinden sollte oder aber eine regelmäßige verbindliche Abfrage der Entscheidung zur Organspende, zum Beispiel bei der Verlängerung des Personalausweises oder beim Arzt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse

In seinem Leserbrief übt der Autor ferner in drastischen Worten Kritik an der Hirntod-Konzeption. Der Hirntod, also der nachgewiesene vollständige und unumkehrbare Ausfall der Hirnfunktionen, ist in Deutschland Voraussetzung für eine Organspende. Er bedeutet ein wissenschaftlich belegtes sicheres Todeszeichen. Wenn der Autor in diesem Zusammenhang meint, dies sei „absolut falsch und unwahr“, so steht es ihm frei, sich wissenschaftlichen Erkenntnissen zu verschließen.

Der Deutsche Ethikrat hat im Übrigen vor vier Jahren die Hirntod-Konzeption genau analysiert. Die Mehrheit der Mitglieder des Ethikrates hat sich für den Hirntod als ein sicheres Zeichen für den Tod des Menschen ausgesprochen. Dies sei damit zu begründen, dass mit dem Ausfall der Hirnfunktionen die den Menschen konstituierende körperlich-geistige Einheit für immer zerstört sei.

Nichts hinzuzufügen

Wenn durch den irreversiblen Ausfall aller Gehirnfunktionen die notwendigen Voraussetzungen mentaler Aktivität, jedes Empfindungsvermögens und damit jedwede Möglichkeit von selbst gesteuertem Verhalten beziehungsweise des Austauschs mit der Umwelt für immer erloschen und außerdem die Einheit des Organismus zerbrochen sei, könne von dem in diesem Zustand befindlichen Körper nicht mehr als einem lebendigen Menschen gesprochen werden. Dieser überzeugenden Argumentation ist nichts hinzuzufügen.

Michael Meister

CDU Bundestagsabgeordneter

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