Leserbrief

Summer-Splash

Entsetzt über Verschwendung von so viel Wasser

Ein Radio-Sender veranstaltete einen Summer-Splash. Tanklöschfahrzeuge der Feuerwehr wurden dazu benutzt, Dutzende Kubikmeter Wasser (geschätzt: 50 000 Liter) auf einer Freifläche auf Menschen zu versprühen, um laut Sender „die größte Dusche Hessens“ zu organisieren.

Von wegen Spaßbremse

Wer die Aktion kritisiert, wird als „Spaßbremse“ bezeichnet. Eine solche Masse an Trinkwasser hätte definitiv sinnvoller verwendet werden können. Denn eine solche Aktion ist alles andere als „cool“ in einer Wassermangelsituation. Nicht nur ich bin entsetzt über die groß angelegte Verschwendung.

Werden wir diese erst verstehen, wenn sie im großen Stil im eigenen Geldbeutel spürbar wird? Wasserknappheit bereitet vielen Bürgern bereits Sorgen. Auch in Hessen gibt es Regionen, die unter starkem Wassermangel leiden. Bäume vertrocknen und werfen zum Verdunstungsschutz die Blätter ab, Lebensmittelpflanzen müssen geerntet werden, da sie das Wachstum aufgrund der Dürre einstellen, Tiere verenden in Wäldern und Flüssen. Dennoch wird Wasser sinnlos versprüht, und das nur für den Spaß von einigen Menschen, die vielleicht nicht sehen wollen, was um uns herum passiert?

Von der aktuellen Waldbrandgefahr, wo dieses Wasser fehlen wird, will ich gar nicht erst anfangen. Es gibt viele Leute, die sich am Shit-Storm gegen den Sender beteiligten – und die das Argument der damit zusätzlich verbunden Pflanzenbewässerung für Augenwischerei halten. Argumente des Senders gegenüber Kritikern waren auch: „Dann müsste man auch jedes Freibad zumachen“ und „Es gibt keine Wasserknappheit in dieser Region“.

Hochbehälter sind leer, Regionen mit noch ausreichend Wasser müssen andere mit Mangel beliefern. Mancherorts bekommen Bauern Wasser rationiert und wenig entfernt wird es sinnlos versprüht?

Versickert in der Mittagshitze

Die Aktion fand in greller Mittagssonne statt. Schon jedes Kind bekommt beigebracht, dass Bewässerung in Mittagshitze von oben schadet, da jeder Tropfen auf Blättern wie ein Brennglas wirkt und Wasser auch schneller verdunstet als versickert. Pflanzenbewässerung macht nur morgens oder abends Sinn. Bewässerung in dieser Masse auf vertrocknetem Boden zieht zudem Oberflächenerosion nach sich – Grassamen, die nach der Dürre wieder sprießen könnten, werden weggespült.

Bereits gefüllte Tanklöschfahrzeuge mussten keimfreies Trinkwasser verwenden und komplett neu befüllt werden. Zudem ist in Hessen nach Informationen durch das Wasserschutzamt des Regierungspräsidiums Darmstadt die Wasserentnahme aus Flüssen und Bächen aktuell verboten.

Ging diese Aktion zu Lasten der öffentlichen Haushalte, also des Steuerzahlers? Super ist, dass Matthias Schimpf (Grüne) ankündigte, sich für eine Untersuchung einsetzen zu wollen. Die Gesamtkosten für Logistik, Wasser und Untersuchungen sollten zu Lasten des Senders gehen. Bürgermeister Christian Schönung zeigte sich, von mir auf meine Kritik angesprochen, beratungsresistent. Er erklärte mir gegenüber, Lorsch habe Wasser genug. Verantwortung – Fehlanzeige. Das nur wenige Meter entfernte Freibad genügt zur Abkühlung offenbar nicht mehr.

Wenn Lebensmittel teurer werden

Ein Ende der Dürre ist bis heute nicht in Sicht, und selbst die angekündigten Schauer sind, wie jeder eigentlich wissen sollte, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn Lebensmittel teurer werden, Wasser weiter für unsere Bauern rationiert werden muss, spätestens dann wird klar werden, dass es kein Spaß ist.

Dirk Müller

Frankfurt

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel