Leserbrief

Klimaschutz

Erwachsene müssen Schülerstreiks unterstützen

Eins haben die Schülerstreiks schon bewirkt. Die Warnungen der Klimawissenschaftler werden wahrgenommen, die Medien berichten über die Gefahren, die weltweit drohen und versuchen (auf unterschiedlichen Niveau) darüber aufzuklären, was getan werden müsste, um sie zu bannen.

Das fragwürdige Argument, die Schüler sollten – statt zu protestieren – sich lieber von Profis informieren lassen, kommt nicht mehr an. Zum einen, weil Greta Thunberg immer wieder – zuletzt vor dem US-Kongress – betont, die Politik solle nicht auf die Schüler hören, sondern auf die Wissenschaftler. Und zum anderen hat der YouTuber Rezo bewiesen, dass er mit einem Video so viel Informationen übermitteln konnte, dass die Versuche der Politikprofis dagegen zu halten, im wahrsten Sinne des Wortes alt aussahen und die Grünen bei der Europawahl mehr davon profitieren konnten als an alle anderen Parteien mit ihren teuer bezahlten Werbespezialisten.

Doch jetzt droht eine große Gefahr: Man könnte meinen, die Schülerstreiks haben gewirkt und die Politiker handeln. Jetzt wird alles gut gehen.

Das ist aus zwei Gründen falsch. Erstens: Die Politiker haben die Warnungen der Wissenschaftler nicht ernst genug genommen, sondern nur Symbolpolitik betrieben, die nicht einmal die Wirkung eines Tropfens auf den heißen Stein hat. Zweitens: Selbst, wenn schon der richtige Anfang unternommen worden wäre, so brauchte es immer noch viele Jahre konsequenten Festhaltens an einer wirksamen Strategie zur Erreichung der Klimaziele, die 2015 in Paris gesetzt wurden.

Deshalb muss deutlich werden, dass die Mehrheit der Bevölkerung Klimaschutz will und bereit ist, dafür umzudenken.

Das wird nur gelingen, wenn mehr und mehr Erwachsene die Schülerdemonstrationen unterstützen und auch beginnen, anders zu handeln.

Dazu muss freilich jeder, der verstanden hat, worum es geht, beitragen, wo immer er es kann.

Natürlich ist das nicht leicht.

Deshalb bin ich den Grundschülern dankbar, wenn sie mit großem Eifer rufen: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“

Walter Böhme

Bensheim

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