Leserbrief

Pandemie

Es gibt kein Grundrecht auf Urlaub auf Mallorca

Wenn ein Krebskranker sich mit Corona infiziert und stirbt, ist das ein Corona-Toter. Anders hätte er womöglich noch Wochen, Monate, Jahre mit seiner Erkrankung gelebt, seine Angelegenheiten regeln, sich von seinen Angehörigen verabschieden können, was für alle Beteiligten sicher einen fundamentalen Unterschied machte.

Das Argument, der wäre sowieso gestorben, ist als Aussage zynisch, als These fragwürdig. Irgendwann sterben wir schließlich alle, meist an Krankheiten, demnach gäbe es gar keine Corona-Toten.

Zu den Einschränkungen: Sicher gibt es einige Maßnahmen, die kritisch zu hinterfragen sind: Warum durften Baumärkte öffnen, Gotteshäuser aber nicht? Warum darf nicht Tennis gespielt werden, aber womöglich bald wieder Profifußball?

Doch bislang ist nicht zu sehen, dass die bundesdeutschen Politiker die Maßnahmen missbräuchlich einsetzen, anders als zum Beispiel Orbàn in Ungarn. Dass demonstriert werden darf, wenn auch mit Auflagen, hat das Verfassungsgericht ja zum Glück geklärt, das heißt: Unser Rechtsstaat funktioniert durchaus.

Und im Übrigen: Es gibt kein Grundrecht auf Urlaub in Mallorca oder eine Kreuzfahrt in die Antarktis.

Man kann natürlich überlegen, wie viel Tote nehmen wir in Kauf, damit die Wirtschaft wieder floriert. Aber dann sollte man so ehrlich sein wie der texanische Vizegouverneur, der bereit wäre, die Alten zu opfern, um den Enkeln eine wirtschaftliche Zukunft zu geben. Nebenbei – und das ist durchaus sarkastisch gemeint – wäre damit das Rentenproblem gelöst.

Die Frage ist aber: Wäre das noch eine humane, zivilisierte Gesellschaft? Dass wir vergleichsweise wenige Tote haben, beweist doch gerade nicht, dass das Virus harmlos ist, sondern dass die Maßnahmen greifen. Es ist wie mit der Warnung des Club of Rome vor dem Ende der verfügbaren Ressourcen. Das ist bislang nicht eingetreten, weil wegen der Warnung gegengesteuert wurde, nicht, weil die Warnung falsch und hysterisch gewesen wäre.

Brigitte Jährling

Lorsch

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