Leserbrief

Umweltpolitik

Forstwirtschaft schwächt Buchen und Fichten

Kaum Gewinn aus dem Verkauf von Fichtenholz, BA vom 22. November:

In den vergangenen Jahren war man in der Gemeinde Lautertal vor Freude ganz außer sich und erstaunt darüber, welche Gewinnmöglichkeiten im Wald vor sich hinschlummern. Man konnte sein Glück über die positive Gewinnentwicklung schier nicht fassen. Allein im Jahr 2016 knapp 47 000 Euro Überschuss im Mittel – ein Spitzenwert in Hessen. Jetzt wird der Wald wieder vom Gewinnbringer zum Sorgenkind, trotz PEFC-Zertifikat und Harvester-Einsatz.

Es ist nicht die Aufgabe unserer Gemeindewälder, von Menschenhand erschaffene Finanzprobleme mitzutragen, nur weil er griffbereit und wehrlos zur Verfügung steht.

Hauptgrund für die kleine schwarze Null sind die Konzepte der modernen Forstwirtschaft mit Harvester-Begleitschutz (Kontext Walderneuerung) und nicht die Marktsättigung. Hinzu kommen jährlich 4,2 Prozent Preissteigerung für Hessen-Forst bis 2025, die unsere Kommunen bezahlen müssen.

Natürlich gibt es eine sinnige Alternative zu der modernen Forstwirtschaft: die selektive Forstwirtschaft mit Rückepferden. Zitat vom saarländischen Umweltministerium: „Auch wenn diese Arbeitsverfahren auf den ersten Blick aufwändiger erscheinen, sind sie bei einer gesamtbetrieblichen und langfristigen Betrachtungsweise oft konkurrenzlos günstig. Die Stadt hat im Jahr 2010 schon 5300 Festmeter Holz mit dem Pferd gerückt. 2011 sind 5500 Festmeter geplant.“

Die Tiere können auch mühelos Hanglagen und schwer zugängliche Gebiete bei guter Führung meistern.

Für die Schwächung der Fichte sind die Konzepte der modernen Forstwirtschaft – langer Dichtstand, Reinbestände, Zukunftsbäume – verantwortlich und nicht allein der Klimawandel und der Borkenkäfer. Nichtsdestotrotz will Hessen-Forst den Nadelwaldanteil im Bereich der Revierförsterei Lautertal/Lindenfels auf 30 Prozent erhöhen. Willkommen im Schwarzwald.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) schreibt über die Douglasie: - wenig ausgeprägte Interaktionen mit der heimischen Tier- und Pflanzenwelt - Potenzial zu Invasivität, das heißt die Verdrängung heimischer Pflanzen- und Tierarten und damit Veränderung ganzer Pflanzengesellschaften - qualitative und quantitative Beeinträchtigung des Erhaltungszustandes von europaweit schützenswerten FFH-Lebensraumtypen - mögliche Übertragung von Schädlingen auf heimische Arten: Wolllaus und Samenwespe der Douglasie, Pilzschädlinge der Douglasie (Rostige Douglasienschütte und Rußige Douglasienschütte).

Die Ursachen für die Buchen-Probleme liegen in den Konzepten der modernen Forstwirtschaft – langer Dichtstand – die beispielsweise zu massivem Buchen-Sonnenbrand geführt haben. Sie werden mit der Zeit verenden. Über den Export unserer Buchen nach China und Japan wollen wir gar nicht reden – auch aus unserer Revierförsterei Lautertal-Lindenfels.

Im Waldgebiet „Das Buch“ in Lindenfels kann man sich von ausgedehnten Buchen-Fällungen überzeugen, inklusive aktueller Fällmarkierungen der Restbestände.

Hakan Günder

Lindenfels

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