Leserbrief

Sprachgebrauch

Freiheit des Denkens nicht verbieten lassen

Leserbrief "Mut zu Fakten und Wahrheiten ist gefragt", BA vom 12. August

In seinem Leserbrief, in dem es um das Zeltdorf für Flüchtlinge geht, fragte der Verfasser, was im BA-Kommentar zum Thema eigentlich damit gemeint ist, man dürfe den "Pfad der politischen Korrektheit" nicht verlassen. Gefragt wird berechtigterweise, was politisch korrekt sei und wer dies denn festlege.

Ihren Ursprung hat die Political Correctness in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung der 60er Jahre. Man verband damit die Hoffnung, eine veränderte Sprache und damit ein verändertes Denken herbeizuführen, weil der Mensch ja nur in Sprache denken kann. Dies könne dazu beitragen, die Diskriminierung, zum Beispiel der schwarzen amerikanischen Bevölkerung, abzuschaffen.

Aus "Neger" oder "Nigger" wurden "coloured people", dann "black people". Dies wiederum wurde zu "Afro Americans", dann zu "African Americans". Heute wird "Persons of African race (descent)" präferiert.

Nun ist es mehr als fraglich, ob sich durch diese sprachliche Veränderung das Leben der "Persons of African Race" verbessert hat. Trotz eines schwarzen Präsidenten mit kenianischen Wurzeln sind die derzeitigen Rassenunruhen nicht zu übersehen.

Die Frage ist nun, warum man denn nicht den von selbst ernannten, ideologiebefrachteten Tugendwächtern vorgegebenen "Pfad der Political Correctness" verlassen kann? Hier wird doch der Versuch unternommen, offene gesellschaftliche Debatten zu unterbinden und etwas mit Vorschriften zu regeln, was der aufgeklärte, vernunftbegabte Mensch, dem doch auch ein sittlich, moralisches Urteilsvermögen immanent ist, durchaus selbst regeln kann. Er will sich keine ideologischen Fesseln anlegen, die seine Sprach-und Gedankenfreiheit einschränken. Von gesundem Menschenverstand zu reden, könnte schon wieder missgedeutet werden.

Totale Entmündigung

Der Verfasser des Leserbriefs hat auch recht, dass die "Durchsetzung der 'politischen Korrektheit' letztlich zu einer totalen Entmündigung des Menschen und zu einer Gesinnungsdiktatur führen kann", denn hier verbirgt sich letztlich hinter einer ideologiebedingten "Sprachsäuberung" nichts anderes als die Intoleranz der selbst ernannten sprachlichen Sitten- und Tugendwächter.

Wenn dann auch noch, wie auch schon geschehen, aus sprachlichen Korrektheitsgründen das "Vater Unser" zu "Du Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel" wird, erübrigt sich jeglicher Kommentar.

Karl Hügle

Bensheim

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