Leserbrief

Ärztemangel

Für andere Ausgaben ist offenbar Geld da

Von Anfang an verfolge ich die Diskussion über das Thema Ärztemangel in Lorsch mit großer Aufmerksamkeit in der Hoffnung, dass sich doch noch die Vernunft durchsetzt – vergeblich.

Die Fakten: Es gibt eine freigewordene Praxis, nicht veraltet, behindertengerecht für zwei Ärzte eingerichtet. Es gibt Patienten genug, denn die Praxis war bis zum Herbst 2018 sehr gut frequentiert.

Es gibt Ärzte, die dort arbeiten wollen, es gibt ein eingespieltes Team von Mitarbeiterinnen (die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren) und es gibt eine Genossenschaft, die das für die Zukunft organisieren kann.

Vergleichsweise niedriger Betrag

Es fehlt lediglich ein vergleichsweise niedriger Betrag von 80 000 Euro, wahrscheinlich zur Überbrückung, weil kassenärztliche Leistungen mit großer Zeitverzögerung bezahlt werden.

Und unsere gewählten Magistratsmitglieder, voran der Bürgermeister, sehen keine Möglichkeit, diese Unterstützung zu beschaffen, obwohl sie inzwischen einsehen, dass sich „die ärztliche Grundversorgung in unserer Stadt bald zum Problem entwickeln wird“.

Das ist so, denn immerhin werden jetzt schon Patienten von anderen Praxen abgewiesen, wegen fehlender Kapazität – und wenn ein Arzt Urlaub macht, ist der Andrang bei den anderen groß.

Wir sind eine wachsende Gemeinde mit immer mehr jungen Familien (siehe Schulsituation mit Containern auf dem Schulhof in Lorsch), wir werden demnächst zwei große Einrichtung der Altenpflege haben und hier ist „keine Lösung in Sicht“.

Dann muss man sich eben eine ausdenken beziehungsweise erarbeiten, vielleicht ein mittelfristiges Darlehen oder ähnliches. Wenn die Praxis erst einmal aufgelöst ist, bekommt man eine solche Einrichtung nie wieder so günstig und vor allem nicht jetzt.

Umstrittene Veranstaltungen

Wenn man sich dagegen die Ausgaben der Stadt betrachtet, zum Beispiel zur Sicherung sehr umstrittener Veranstaltungen (Rockkonzerte, Motorrad- und Fahrradrennen etc.) oder die Bereitschaft, die Erhaltungskosten für einen mindestens 300 Tage im Jahr komplett überflüssigen Parkplatz-Ost zu tragen, um nur einige Punkte zu nennen, zweifelt man endgültig an der Kompetenz der Entscheider, zu erkennen, was wichtig ist.

Es wäre wirklich schön, wenn mehr direkt betroffene Patienten und Mitarbeiter der ehemaligen Praxis der Doktoren Grätz sich auch öffentlich – oder bei der Stadt Lorsch – gegen diese Entwicklung wehren würden.

Ute Schuster

Lorsch

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