Leserbrief

Naturschutz

Für die Jäger ist ein Wolf kein direktes Problem

„Wölfe erlegen immer nur schwache Tiere“, „Positive Rolle bei der Regulierung der Wildbestände“, BA vom 7. August:

Dem Leserbriefschreiber billige ich zu, in Unkenntnis der jagdlichen Gesetzgebung und Strukturen Peter Hannewald in die jagdliche Ecke zu stellen. Das passt zu der weit grassierenden Meinung, Jäger seien gegen den Wolf.

Herr Hannewald ist allerdings keineswegs ein Vertreter der Jägerschaft, sondern genau das Gegenteil, nämlich Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Reichenbach. Die Jagdgenossenschaften sind nichts anderes, als die Gemeinschaft der Grundeigentümer und haben mit der Jagd nur so viel zu tun, dass sie die einzelnen Reviere an Jäger verpachten und dafür nicht unerhebliche Pachtzahlungen entgegennehmen. Als deren Vertreter hat er sich geäußert – und nicht als Vertreter der Jägerschaft.

Für die Jägerschaft stellt ein durchziehender Wolf kein direktes Problem dar. Ich kann allerdings die Argumentation, der Wolf fresse nur altes und krankes Wild, nicht ganz nachvollziehen. Gäbe es noch so viel Rehwild wie überall – auch vom Staatsforst – publiziert, dann müsste sich kein Wolf an Weidetieren vergreifen, dazu noch an gesunden.

Durch staatlich verordnete Abschusszahlen, welche die „Wald-vor-Wild“-Strategie der Umweltpolitik der Grünen widerspiegeln, sowie den Verkehrstod sind die Rehwildbestände in den letzten Jahren merklich gesunken. Der Luchs streift ebenfalls durch die Reviere und reguliert, Fuchs und Schwarzwild bereichern sich an frisch gesetzten Rehkitzen. Was brauchen wir also noch zusätzliche Regulatoren?

Auch verstaubte Ansichten, bei denen illegale Abschüsse als „Lodenmantel-Kavaliersdelikt“ ins Feld geführt werden, kann ich nicht nachvollziehen. Zum Verständnis für die Leserbrief-Schreiberin: Ich kenne keinen Jäger, der wie in Ganghofers Romanen mit einem Lodenmantel zur Jagd geht. Auch die Jagdmode hat sich geändert.

Trotz allem bin ich immer wieder erstaunt, mit welch mangelndem Sachverstand hier argumentiert wird. Zu den Aussagen von Herrn Hannewald gibt es aus jagdlicher Sicht nur zu sagen: Wenn so viele EU-Fördergelder für die Landschaftserhaltung gezahlt werden, dann müsste man über eine Änderung des Bundesjagdgesetzes nachdenken, welche die Wildschadensregulierung durch die Landwirte zum Inhalt hat und die Kosten dafür nicht länger den Jagdpächtern abverlangt.

Als Mitpächter eines gemeinschaftlichen Jagdbezirks habe ich eingangs Pachtzahlungen erwähnt. Die Jäger sind die einzigen, die gewissermaßen Eintritt in den Wald zahlen, während ausnahmslos alle anderen Waldbesucher Tag und Nacht kostenlos den Wald als Hundeplatz, Trainingsstrecke, für ausschweifendes Feiern und anderes nutzen. Glaubt jemand, dass Wölfe in so einer Region wieder heimisch werden können?

Und von wegen keine natürlichen Feinde. Ich möchte nicht im Wolfspelz stecken, wenn eine führende Bache mit ihren Frischlingen von einem Wolf angegriffen wird und ihre Nachkommen verteidig. Aber ich möchte auch nicht in der Haut des Jagdpächters stecken, in dessen Revier ein von einer Bache geschlagener Wolf verendet gefunden wird.

Vor dem Hintergrund all dieser Fakten und Entwicklungen müssen sich die Jagdgenossenschaften bei künftigen Jagdverpachtungen Gedanken über die Preisgestaltung machen – wenn einzelne Reviere überhaupt noch zu verpachten sind. Hier kommt dann wieder Herr Hannewald ins Spiel. In diesem Sinne Waidmannsheil.

Richard Meckel

Vorsitzender der

Hegegemeinschaft

Lautertal / Lindenfels

Reichenbach

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel