Leserbrief

Sparkasse

Fusion oder Ende der Sparkasse Bensheim?

„Hände weg von unserer Sparkasse“, BA-Leserforum vom Dienstag, 7. Juli

Nach den jüngsten Verlautbarungen der Stadtoberen der Trägergemeinden der Sparkasse Bensheim befassen sich zu Recht mehr und mehr Leserbriefe mit dieser Thematik. „Hände weg von unserer Sparkasse!” ist allerdings keine kluge, zielführende Parole. Die Sparkasse Bensheim bleibt natürlich als Anstalt des öffentlichen Rechts im Falle eines Zusammenschlusses mit einer leistungsfähigeren Sparkasse weiterhin „unsere“ Sparkasse, gleich unter welchen Namen.

Doch nun zu den offiziellen Verlautbarungen aus der Sparkasse und aus dem Bensheimer Rathaus: Mutet es nicht hochnäsig an, wenn einerseits betont wird, wir haben keine Fusion nötig und haben Millionen für einen Neubau (wie viele Millionen werden es wohl lgam Ende sein?), andererseits aber noch nicht einmal eine relativ bescheidene Summe für die Vereinsförderung in den Trägerkommunen zur Verfügung steht, weil es die Aufsicht verbiete?

Ist nicht auch die Reputation des Vorsitzenden des Verwaltungsrates der Sparkasse Bensheim, also von Bürgermeister Rolf Richter, dahin, wenn dieser dem Sparkassenvorsitzenden erst den Vertrag verlängert, um diesen Vorsitzenden dann kurz danach „in die Wüste” (hochbezahlt übrigens) zu schicken. Andere berechtigte Zweifel an der Führungsqualität des Bürgermeisters gab es, meiner Meinung nach, schon zuvor.

Nein, es gibt wohl keinen anderen Weg, als über eine Fusion der Sparkasse Bensheim mit anderen Sparkassen zu sprechen.

Als Landrat des Kreises Bergstraße habe ich, weil die einmalige Struktur in unserem Kreis mit mehreren Sparkassen dazu herausforderte, unter Einbindung des Hessischen Sparkassen und Giroverbandes schon Anfang der neunziger Jahre darüber mit den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern unseres Kreises gesprochen. Ergebnislos! Die Gespräche scheiterten, weil persönliche Befindlichkeiten („Erbhöfe!”) eine wichtige Rolle spielten. Heute ist die Situation ungleich dramatischer – und zwar für alle Kreditinstitute generell und für die Sparkasse Bensheim im Besonderen.

Das Geld jedes Einzelnen

Da es um das Geld jedes Einzelnen geht, der noch Kunde bei der Sparkasse Bensheim ist, kann es hier bei den Verantwortlichen schlechterdings nicht um ein „Weiter so” gehen. Sie würden nur dann ihrer Verantwortung gerecht, wenn sie Alternativen und damit Synergieeffekte, die sich durch ein Zusammengehen mit anderen Kreditinstituten ergeben könnten, auch prüften. Eine unbestimmte Zeit mit schwierigem gesamtwirtschaftlichem Umfeld steht vor uns. Eine weitere deutliche Reduzierung der Kosten aller Kreditinstitute, auch der Sparkassen, bleibt unabdingbar. Allein die digitale Revolution wird Investitionen in Technologie erfordern, die die Sparkasse Bensheim wird nicht stemmen können.

Um nicht weiter Millionen in den Sand zu setzen (was offensichtlich bei Statiker-und Planungskosten für die ad acta gelegten Bauvorhaben schon der Fall ist und bei dem teuren Ruhestand des bisherigen Vorstandsvorsitzenden unterstellt werden kann), sollte auch geprüft werden, ob nicht das ehemalige Kaufhaus Krämer mitten in Bensheim als künftiger zentraler Hauptsitz einer größeren Sparkasse genutzt werden kann (siehe Leserbrief im BA vom 4. Juli). Man könnte sogar zehn Prozent der entstehenden Kosten pro Jahr als denkmalbedingt abschreiben und den Platz des jetzt leerstehenden Sparkassengebäudes städtebaulich anderweitig nutzen.

Bensheim und alle anderen Trägergemeinden haben zwar ein schwieriges Thema mehr, das dringend auf die Tagesordnungen zu setzen ist. Es gilt allerdings auch in Zukunft: Nur Transparenz in der Sparkassenfrage lässt Kontrolle und Vertrauen zu.

Dr. Dietrich Kaßmann

Landrat a. D.

Bensheim

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