Leserbrief

Schließung der Lautertalhalle

Geld besser für die Kinder verwenden als für Touristen

Lautertalhalle bleibt geschlossen, BA vom 1. März:

Die Lautertalhalle ist zu. Sportvereine und hier insbesondere der Kinder- und Frauensport sind betroffen. Dem Roten Kreuz und dem Jugendzentrum wird die Heimat genommen, der Schulsport fällt aus. Anstatt schnell zu reagieren, wird auf Zeit gespielt, und die Betroffenen werden im Ungewissen gelassen.

Seit Jahrzehnten wird an der Lautertalhalle Flickschusterei betrieben. Notwendige Investitionen wurden nicht getätigt, Förderprogramme wurden nicht genutzt. Das Förderprogramm des Bundes aus dem Jahr 2016 „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ hätte auf die Lautertalhalle perfekt gepasst und die Unterhaltungskosten minimieren können.

Doch in Lautertal wird sich seit Jahren nur auf das Felsenmeer konzentriert. Der Beweis, dass dem auch unter neuen Mehrheitsverhältnissen kein Einhalt geboten wird, erfolgte auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung. Hier wurde der Gemeindevorstand beauftragt, die Anschaffung eines Luxusklos am Felsenmeer für 200 000 Euro zuzüglich Planungs-, Erschließungs- und Unterhaltungskosten vorzubereiten.

Man würde ja auch kleine Gewinne am Felsenmeer erzielen, hieß es von den Befürwortern. Ich bezweifle dies – nicht zuletzt aufgrund der von Bürgermeister Andreas Heun im BA angekündigten möglichen Steuernachforderung auf die Parkplatzgebühren.

Ich erwarte von den politischen Entscheidungsträgern umgehend eine transparente Aufstellung, wie viele Eigenmittel am Felsenmeer in den letzten 15 Jahren investiert wurden und wie der Return on Invest ausgefallen ist. Dabei sind sämtliche Kosten des Felsenmeers, beispielsweise der Verwaltungsaufwand im Rathaus, Kosten des KMB-Bauhofservices, Grundstückspachten und Abschreibungen – zu berücksichtigen. Die Solardraisine lässt grüßen.

Während man in der Verwaltung aufgrund der Haushaltskrise über die Reparatur der Brandmeldeanlage, vermutlich konform mit der Hessischen Gemeindeordnung, nicht zu entscheiden vermag, reißt der Bauhofservice zeitgleich den gefrorenen Parkplatz am Felsenmeer auf und verfüllt diesen – im wahrsten Sinne des Wortes – mit jeder Menge Schotter.

Die Aussage an die Bürger ist fatal. Unabhängig von der Couleur scheint der Politik das Wohlergehen von Touristen wichtiger als das der eigenen Bürger. Dafür setzt man die letzte funktionierende Infrastruktur die Lautertal besitzt, nämlich die soziale, aufs Spiel.

Dies wird auch durch die übrigen Einsparungen deutlich. Es ist keine Frage, dass die Lautertalhalle defizitär ist. Die Frage ist jedoch, ob dieses Defizit zumindest ein Stück weit hausgemacht ist. Auch hier sollte man rückwirkend Transparenz für alle gemeindlichen Liegenschaften schaffen. Mir klingen die Worte von der „Gleichbehandlung der Vereine“ noch in den Ohren.

Wenn wir schon den höchsten Grundsteuersatz in Deutschland zahlen, dann sollten wir das Geld doch lieber für Lautertaler Kinder, anstatt für einen zügigeren Toilettengang von Touristen ausgeben.

Boris Ertl

Reichenbach

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