Leserbrief

Gedanken zur Zeit

Gerüchteverbreitern und Hasspredigern entgegenstehen

Die Querelen der sogenannten „Union“ (man muss das ja schon in Anführungszeichen setzen) rühren daher, dass eine Regionalpartei eines süddeutschen Bundeslandes sich ständig gegen ihre „Schwesterpartei“ profilieren muss und einen völlig unverhältnismäßigen Einfluss auf die Bundes-, ja sogar die Europapolitik ausübt.

Dieser Geburtsfehler der deutschen Parteienlandschaft gehört endlich korrigiert. CDU und CSU sollten beide auf der gesamten Bundesebene zur Wahl antreten. Die CSU könnte als noch einigermaßen vernünftige Partei die Wähler rechts der Mitte bedienen und müsste nicht mehr ständig die deutsche Politik lahmlegen und die Bundeskanzlerin schwächen.

Das linke Lager ist schon länger gespalten, dann soll es dem rechten eben auch so gehen. Es ist doch auch CDU-Wählern kaum mehr zumutbar, mit ihrer Stimme die CSU quasi mitwählen zu müssen. Und grün-schwarze Bündnisse auf Bundesebene wird es mit dieser CSU auch nicht geben können ohne Selbstverleugnung.

Migration ist nicht die Ursache

Was die inhaltliche Ausrichtung angeht: Die Probleme unserer Zeit bestehen im Klimawandel, der Umweltzerstörung und der Ausbreitung von Krieg und Unfrieden, Armut und Ungerechtigkeit. Punkt. Migration von Menschen ist nicht die Ursache, sondern die Folge von Problemen. Wir sollten Politiker wählen, die die Probleme zu lösen und schwer vermeidbare Folgen mit Humanität und Augenmaß zu bewältigen versuchen.

Wir sollten uns auch nicht durch ständig neue Twittermeldungen aufstacheln lassen, sondern uns in Ruhe und auf seriös geprüfte Fakten basiert eine Meinung bilden. Dazu gehört auch immer, die Argumente der Gegenseite zu würdigen, was allein schon ein Zeichen ist für seriösen Journalismus. Das Internet neigt stattdessen dazu, Meinungen in Filterblasen zu verstärken, statt immer wieder neu zu überprüfen. „Meinung“ impliziert, man könnte Unrecht haben.

Errungenschaften verteidigen

Gegenüber Diktatoren und Staatenlenkern, die weder intellektuell noch moralisch für ihr Amt geeignet sind (man kann sich denken, wen ich unter anderen damit leider meine) muss man vor allem Haltung zeigen. Haltung, die auf Vernunft, Humanität, Gerechtigkeit und demokratischer Willensbildung basiert. So schwer es auch sein mag. Und diese Haltung darf man sich auch nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen abkaufen lassen.

Stolz darf man eigentlich nur auf das sein, was man selbst geleistet hat. Aber wenn ich auf etwas stolz bin, dann darauf, dass aus einem Land wie Deutschland aus der Katastrophe der Nazidiktatur in einer Generation ein friedliebendes, demokratisches Staatswesen geworden ist, auch bei allen Mängeln, die es immer noch hat. Darauf dürfen alle stolz sein, die daran mitgewirkt haben. Zu denen gehört auch die überwiegende Mehrheit der Menschen, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind.

Diese Errungenschaft gilt es gegen alle Arten von Gerüchteverbreitern und Hasspredigern zu verteidigen. Dann kann es einem auch egal sein, mit wem sich ein Fußballspieler fotografieren lässt.

Gerhard Eppler

Heppenheim

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