Leserbrief

Wahlkampf

Geschäftigkeit mit geringer Halbwertszeit

Die Bürgermeisterwahl in Bensheim steht vor der Tür. Am Sonntag, 1. November, sind rund 32 000 Bürger in der größten Stadt des Kreises Bergstraße aufgerufen, ihre Bürgermeisterin oder ihren Bürgermeister für die kommenden sechs Jahre zu wählen.

Eine Kandidatin und drei Kandidaten fordern dabei den seit sechs Jahren amtierenden Bürgermeister heraus. Längst wirft die Wahl ihren politischen Schatten voraus. Besonders auffällig dabei die aktuelle emsige Geschäftigkeit aus dem Rathaus.

Plötzlich ist die Belebung der Innenstadt ein heiß verfolgtes Thema – sowohl im Rathaus als auch bei der 100-Prozent-Tochter Marketing- und Entwicklungsgesellschaft Bensheim (MEGB), die vom Bruder des Bürgermeisters, Helmut Richter, geführt wird.

Stellt sich die Frage, wo die aktuell geschäftigen Aktivisten beispielsweise in den vergangenen zweieinhalb Jahren nach dem Kauf des früheren Kaufhauses Krämer waren. Auffällig auch, dass just in diesem Herbst nach immerhin auch 14 Monaten seit dem Abriss des Hauses am Markt der schreckliche Schutthaufen am östlichen Marktplatz beseitigt und das Gelände zugänglich gemacht wurde.

Ebenso unsäglich das Ausbluten der Innenstadt durch den Neubau eines Ärztehauses am Berliner Ring und die damit verbundene Verlagerung zahlreicher Arztpraxen an den Stadtrand. Diese Praxen sind fußläufig insbesondere für ältere und behinderte Menschen nicht mehr und nur noch per Bus oder Taxi zu erreichen. Gewinner ist der Investor der Immobilie – das Nachsehen haben ältere und behinderte Menschen sowie die Einzelhändler in der Bensheimer Innenstadt, deren Geschäfte den regen Publikumsverkehr vermissen.

Und selbst die Hauptstelle der Sparkasse mit zahlreichen Mitarbeitern sollte nach diversen verfehlten Entscheidungen zumindest mit Duldung des Verwaltungsrats, dessen Vorsitzender der Bensheimer Bürgermeister ist, aus der Innenstadt „abgezogen“ und ebenfalls an den Berliner Ring verlagert werden.

Die berühmt-berüchtigte Reißleinen-Politik des aktuellen Bürgermeisters griff hier ebenso verspätet wie beim Haus am Markt. Vorher denken und dann handeln wäre in diesen, wie auch bei zahlreichen weiteren „Baustellen“ zweifellos die bessere Option gewesen.

Es drängt sich unweigerlich der Eindruck auf, dass im Bensheimer Rathaus in jüngster Vergangenheit der zweite immer vor dem ersten Schritt erfolgte. Das hat sich in den vergangenen (Wahl-) Wochen dergestalt geändert, dass jetzt die erforderlichen Maßnahmen zumindest angesprochen werden, auf die man bisher vergeblich wartete.

Ob diese aktuelle Geschäftigkeit aus dem Rathaus auch nach der Wahl noch Bestand haben wird, darf zumindest bezweifelt werden. Die Halbwertszeit der jetzt als erfolgversprechende Maßnahmen gepriesenen Aktionen erscheint jedenfalls gering.

Fritz Dorsheimer

Bensheim

Info: Leserbrief-Richtlinien online: www.bergstraesser-anzeiger.de/leserforum

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