Leserbrief

Liebfrauenschule

Gravierende Folgen für die Weitergabe des Glaubens

Wir sind ehemalige Lehrer der Liebfrauenschule Bensheim, seit 2017 und 2020 in Pension. Wie alle Kolleginnen und Kollegen, Eltern und Schülerinnen unserer Schule hat uns die Nachricht vom Rückzug des Bistums aus unserer Schule tief betroffen, weil es das Ende der katholischen Mädchenschule in Bensheim bedeutet.

Wir erinnern uns noch sehr gut an das kurze Gespräch mit Bischof Peter Kohlgraf nach der Firmung in Heilig Kreuz im September 2019, indem wir ihn auf seine sehr gute Predigt angesprochen haben. Er bemerkte damals, dass er sich sowohl von Reformern als auch von Bewahrern bedrängt fühle, und dass er sich der Tradition verpflichtet wisse.

Daran wollen wir den Bischof nun erinnern: Die Liebfrauenschule hat eine über 160-jährige Tradition, sie hat in dieser Zeit Generationen von Mädchen geprägt, die sich der christlichen Tradition verpflichtet fühlten und fühlen. Sie haben den Glauben an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Wir selbst haben in unserer je 40-jährigen Tätigkeit an der LFS viele Schülerinnen unterrichtet, deren Mütter und Großmütter selbst LFS-Schülerinnen waren.

Der Tradition verpflichtet?

Wenn Sie sich als unser Bischof der Tradition verpflichtet fühlen, dann sollten Sie die Schule nicht einfach aufgeben. Ferner ist nach unserer Einschätzung bei dieser Entscheidung nicht alles bedacht worden:

Für viele noch Kirchensteuerzahler und Unterstützer der katholischen Bildungsarbeit stellt sich nach dem Rückzug des Bistums jetzt die Frage, ob sie weiterhin Kirchenmitglied bleiben wollen. Die zusätzlichen Kirchenaustritte werden die Bistumsfinanzen weiter destabilisieren. Auch die umfangreichen Folgekosten der “Abwicklung “ unserer Schule könnten eine Schulschließung langfristig teurer machen als die Erhaltung.

Viel gravierender als alle materiellen Schäden sind jedoch die Folgen für die Weitergabe des Glaubens. Als Bischof ist es doch ein zentrales Anliegen, Kindern und Jugendlichen ein Umfeld christlichen Glaubens und Lebens zu ermöglichen, was an unserer Schule wesentlicher Teil der Bildungsarbeit ist.

Tief erschüttert sind wir über die Art und Weise, wie die Schulgemeinde über die Absicht des Bistums, die Schule aufzugeben, informiert wurde. Es ist im 21. Jahrhundert üblich, vor einer Betriebsschließung mit allen Beteiligten nach Lösungen zu suchen. Dies bedeutet aber eine frühzeitige und offene und ehrliche Situationsanalyse vor Ort mit allen Beteiligten! Das war leider nicht der Fall, obgleich es nach unseren Informationen an der Schule eine Arbeitsgruppe gibt, die von sich aus mit der Schulabteilung des Bistums eine andere Finanzierungsbasis unserer Schule diskutierte.

Es ist völlig an den den Betroffenen vorbei, den Dezernenten damit zu beauftragen, die Schulschließung zu „verkünden” und die nichtsahnenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen zu stellen. So wie wir unseren Glauben leben und verstehen, wäre es Aufgabe der Bistumsleitung gewesen, die Schulgemeinde zu informieren und gemeinsam nach Möglichkeiten und Wegen zu suchen, wie die Schule mit ihrem besonderen Erziehungsauftrag weitergeführt werden kann. Wo war hier der pastorale Weg?

Schöne Floskeln

Generalvikar Udo Markus Benz benutzt sehr gerne Worte aus dem Umfeld der Wirtschaft. Es finden sich so schöne Floskeln wie „Zusammenführen”, „betriebswirtschaftliche und organisatorische Maßnahmen”. Wo bleiben dabei die Menschen, werden sie auch „betriebswirtschaftlich abgewickelt”? Ist das auch der neue Stil des Bistums Mainz, wenn es um den „Pastoralen Weg” geht?

Als Wortgottesdienstbeauftragte lege ich nicht nur für meinen Glauben, sondern auch für meine Kirche Zeugnis ab und gebe unserer Kirche mein Gesicht. Zurzeit habe ich große Probleme, eine Kirche zu repräsentieren, bei der sich Wort und Tat, wie in diesem Fall, voneinander entfernen. Sollte sich das Bistum dennoch entschließen, die Schule aufzugeben, erwarten wir, dass seitens des Bistums alles versucht wird, einen Träger zu finden, der die Schule in ihren bisherigen Strukturen weiterführt.

Und als Kirche kostet die zwingend notwendige Entschädigung der Missbrauchsopfer viel Geld, das für die Bildung der Jugend fehlt. Damit wird die Jugend doppelt bestraft. Priester waren die Täter. Manche Bistumsleitungen haben dies „erfolgreich“ verschleiert.

Wäre es nicht angebracht, Täter und ihre Mitwisser, sofern sie noch leben, zur Rechenschaft zu ziehen, indem sie in eine Stiftung einzahlen, die zum Beispiel katholische Bildungsarbeit unterstützt? Wir wünschen Bischof Kohlgraf bei seinen Entscheidungen den Segen Gottes.

Brigitte und Kurt Neis

Bensheim

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