Leserbrief

Rassismus-Eklat

Gut, dass Tönnies das Thema angestoßen hat

„Rassismus-Eklat um Tönnies“, BA vom Samstag, 3. August

Der Vorsitzende des Aufsichtsrates von Schalke 04 hat am „Tag des Handwerks“ Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel kritisiert.

Stattdessen solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Aktuelles Thema getroffen

Aus den sozialen Medien schlug ihm heftige Kritik entgegen. Daraufhin bedauerte Herr Tönnies seine Aussage: „Das war in Inhalt und Form unangebracht und falsch.“ Natürlich ist die Form seiner Aussage sehr kritikwürdig, doch man sollte ihm zugutehalten, dass seine Kritik am Kinderreichtum in afrikanischen Ländern ein Thema trifft, das aktueller kaum sein könnte: Welchen Einfluss auf das Weltklima und die Belastbarkeit unseres Planeten hat die Bevölkerungsexplosion in Afrika?

Laut UN ist das Bevölkerungswachstum in Afrika ungebremst. Für ganz Afrika sagte die mittlere UN-Prognose eine Verdoppelung der Bevölkerung bis zum Jahre 2050 voraus.

Nigeria, das heute schon ein Bevölkerungsriese ist, wird bis 2050 eine Verdoppelung auf 400 Millionen erleben. Im Jahre 2016 waren 31 Prozent der Bevölkerung, circa 68 Millionen, zwischen 10 und 24 Jahre alt, für die weder Nigeria noch die deutsche Entwicklungshilfe angemessene Lebensverhältnisse schaffen kann.

Globale Wanderungsbewegung

65 Millionen Menschen sind laut Bericht des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen auf der Flucht. Vor diesem Hintergrund wird die ganze Hilflosigkeit der Entwicklungshilfe als Mittel der „Bekämpfung der Fluchtursachen“ deutlich.

Da man sich nirgends vor der globalen Wanderungsbewegung hermetisch abriegeln kann, geht die Bevölkerungsexplosion alle an. Jeder, nicht nur Herr Tönnies, sollte sich Gedanken über dieses Thema machen, das Europa mehr und mehr berührt.

Leider zeigt die undifferenzierte Verdammung der Aussagen von Herrn Tönnies, dass Kritik am Bevölkerungswachstum - hat man sie je von unseren Politikern vernommen - als politisch unkorrekt und als ein Zeichen von mangelndem Kulturverständnis gilt.

Globales Bevölkerungswachstum

Über die globalen Folgen des von Herrn Tönnies angedeuteten Problems gab es bereits im Jahre 1970 ein Urteil, das heute aktueller ist denn je.

Die Bevölkerungsforscher Paul und Anne Ehrlich schrieben in ihrem wichtigsten Buch zur Ökologie des Menschen über den „Todeskampf’ der Passagiere im Raumschiff Erde: „Kein geologisches Ereignis seit einer Milliarde Jahren – weder das Emporsteigen mächtiger Gebirgsketten noch das Versinken ganzer Subkontinente oder das periodische Auftreten von Eiszeiten – schuf eine ähnliche Bedrohung für das irdische Leben, wie sie durch die explosive Ausdehnung der menschlichen Bevölkerung entstanden ist.“ Herr Tönnies hat uns einen Dienst erwiesen, indem er dieses Thema angestoßen hat.

Dieter Stephan

Bensheim

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