Leserbrief

Haus am Markt

Harmonie des Marktplatzes leidet unter dem Abriss

Obgleich ich als gebürtiger Bensheimer nicht mehr in Bensheim lebe, mag man mir verzeihen, wenn ich zur Gestaltung des Stadtbildes Stellung nehme. Mit meinem Vater Wilhelm Weyrauch, langjähriger Stadtverordneter und Denkmalschützer, habe ich oftmals zwischen 1970 und 1995 einige neuralgische Punkte der historischen Bebauung diskutiert.

Hierzu gehören der Walderdorffer Hof, der Wambolter Hof und der Marktplatz. Letzterem wurde einst die absurde Idee zuteil, den in Schräglage errichteten Walderdorffer Hof im Osten als Abschluss unterhalb der Stadtkirche Sankt Georg neu aufzubauen. Glücklicherweise blieb es bei einem untauglichen Versuch. Das an dieser Stelle errichtete Haus am Markt wurde kürzlich abgerissen.

Das Bild wird empfindlich gestört

Für die Neugestaltung des Marktplatzes sind drei Aspekte – rechtliche, ästhetische und finanzielle – maßgeblich: Erstens muss die Stadt die Obligation erfüllen, einen Ersatz für das Haus am Markt bereitzustellen. Zweitens sollte es zu keiner gestalterischen „Verböserung“ kommen. Drittens muss sich Bensheim die Ausgaben leisten können.

Bei meinem kürzlichen Besuch in Bensheim erkannte ich auf den ersten Blick, dass das Bild nach dem Abriss durch das Missverhältnis zwischen dem filigranen Ensemble der Fachwerkhäuser und des Marktbrunnens einerseits und der Dimension der Stadtkirche andererseits empfindlich gestört wird.

Entwurf passt in das Umfeld

Nicht nur die Harmonie der Marktplatzgestaltung, sondern auch die sakrale Sphäre auf dem Kirchenplateau leiden darunter. Eine optische Begrenzung hatte es deshalb seit dem 15. Jahrhundert stets gegeben. Ein aktueller Entwurf zum Haus am Markt wird dieser Tradition nicht nur gerecht, sondern ist auch wesentlich schöner und zum Umfeld passender als die Vorgängerbauten des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die Kosten von 6,5 Millionen Euro werden meines Erachtens in einer Niedrigzinsphase für eine Stadt von 41 000 Einwohnern bei regelmäßigen Mieteinnahmen zu stemmen, ja sogar rentierlich sein.

Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Wambolter Hof. Zur Linken wie zur Rechten befanden sich einst Sandsteinbögen, die Bensheims Schmuckstück in die übrige Bebauung integrierten. Ohne die Bögen wirkt der einstige Adelssitz verloren. Ich rege an, Mut zu zeigen und diese Lücken zu schließen.

Thomas Weyrauch

Heuchelheim

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel