Leserbrief

Sozialleistungen

Höchstrente liegt bei 3000 Euro im Monat

„Prozentuale Rentenanpassung ist ungerecht“, BA-Leserforum vom 29. März

Über die Aussage des Leserbriefs kann man streiten, was die Rente betrifft. Denn Prozente sind in diesem Zusammenhang halt immer problematisch. Die Gründe: Die Beitrags-Versicherungsgrenze deckelt die Beiträge der „Besserverdiener“. Die Beitragsbemessungsgrenze folgt nicht der jährlichen Lohn-/Gehaltssteigerung. Die Anpassung erfolgt, durch die Politik, in unregelmäßigen Abständen. Die Summe der Einzahlung aller Beitragszahler geteilt durch die Anzahl der Beitragszahler ergibt den Durchschnittswert der Einzahlungen und damit den sogenannten Leistungspunkt für die Rente.

31,03 Euro pro Leistungspunkt

Zur Zeit beträgt der Geldwert für einen Leistungspunkt 31,03 Euro. Die Höhe der persönlichen Leistungspunkte ergibt sich durch die Division der persönlichen Einzahlung durch den Mittelwert aller Einzahlungen. Die Lohn- und Gehaltssteigerungen bewirken, ohne Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, bei den „Besserverdienenden“ eine Reduzierung der erworbenen Leistungspunkte und damit der Rente.

Umgekehrt fällt bei einer Anhebung der Bemessungsgrenze der Rentenanspruch des „Geringverdieners“. Die Summe der erworbenen Leistungspunkte über das gesamte Arbeitsleben ergibt die Rente.

Ein Beispiel

Beispiel: Der immer wieder aufgeführte Herr „Mustermann“ hat 45 Jahre Beiträge mit dem Punktewert 1 eingezahlt und erreicht so 45 Leistungspunkte für die Rentenberechnung. Er erhält damit 1396,35 Euro pro Monat Rente. Der Spitzenrentner hat 51 Beitragsjahre und über diese Zeit eben 75,45 Leistungspunkte erworben. Damit beträgt seine Rente 2341,21 Euro pro Monat. Theoretisch wäre es möglich in 51 Beitragsjahren etwa 102 bis 105 Leistungspunkte und damit eine Rente von rund 3000 Euro pro Monat zu erwerben, was in etwa 46 Prozent Beitragsbemessungsgrenze entspricht. Also noch nicht einmal 50 Prozent der im Leserbrief als Beispiel aufgeführten Rente von 7.000 Euro pro Monat.

Völlig anders ist die Situation bei den „versorgungsberechtigten“ Ruheständler. Versorgungsberechtigt sind Beamte, Wahlbeamte und Parlamentarier. Bei Wahlbeamten und Parlamentarier können durchaus Ruhestandsbezüge von über 18 000 Euro pro Monat erreicht werden.

Für Beamte gilt derzeit: Nach 40 Dienstjahren wird der Spitzenwert für den Ruhegeldanspruch von derzeit 71,75 Prozent erreicht. Basis für die Berechnung ist der Sold zwei Jahre vor dem Ruhestand. Bestehen zu dem noch Anrechte aus einem Familienzuschlag, werden diese ungekürzt ausgezahlt.

Ruhegehälter an Bezüge gekoppelt

Die Ruhegehälter sind an die Bezüge der aktiven Beamten gekoppelt und steigen – im Gegensatz zur Rente – automatisch mit jeder Tarifsteigerung mit an. Da es inzwischen Standard ist, dass die von den Gewerkschaften ausgehandelten Tariferhöhungen für Angestellte im öffentlichen Dienst eins zu eins auf die Besoldung der Beamten übertragen wird, steigen die Nettobezüge der Beamten und Ruhestandsbeamten überproportional.

Und hier stimme ich mit dem Leserbriefschreiber überein. Dies ist sozial ungerecht und müsste abgeschafft werden. Denn genau diese „Automatik“ führt dazu, dass immer mehr Rentner und Niedrigverdiener in die Armut fallen und Sozialleistungen benötigen.

Hermann Bausch

Bensheim

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