Leserbrief

Marktplatz

In die Diskussion einsteigen, wenn Entwürfe vorliegen

Es gibt sicher derzeit weit Wichtigeres, als sich mit der Fragestellung zu beschäftigen, worin eigentlich der inhaltliche Unterschied zwischen dem von der Bensheimer Stadtverordnetenversammlung beschlossenen „Ideen- und Realisierungswettbewerb“ für den Bensheimer Marktplatz und dem von der BI Bürgerbegehren geforderten „Ideenwettbewerb“ tatsächlich liegt.

In der Presse und in Flugblättern sind regelmäßig Beiträge zu finden, in denen Vermutungen, Spekulationen, Verschwörungstheorien, aber auch einige durchaus sachkundige Stellungnahmen zu lesen sind.

Die Fakten betrachten

Es macht durchaus Sinn, sich dem Thema durch Betrachtung der Fakten nochmals zu nähern. Welche Eckpunkte wurden durch den Bürgerdialogprozess empfohlen?

1. Der Marktplatz soll unbedingt belebt werden, war die einmütige Haltung fast aller Teilnehmer des Dialoges.

2. Der Blick auf Sankt Georg sollte weitgehend erhalten werden.

3. Eine gastronomische Nutzung sei für die Belebung des Marktplatzes unverzichtbar. Diese sollte um ganzjährig zur Verfügung stehen und daher vor Witterung geschützt sein.

Viele Lösungen möglich

Diese Punkte wurden inhaltlich weitestgehend in den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung aufgenommen. Es wird nunmehr beklagt, dass durch die oben aufgeführten Eckpunkte weitere wichtige Lösungen „unterbunden“ würden. Ist das tatsächlich so?

„Prozessionstreppe“ zur Kirche?

Wenn man sich als planender Architekt mit der Aufgabe näher auseinandersetzt, kommt man schnell zu dem Schluss, dass tatsächlich eine Vielzahl von sehr unterschiedlichen Lösungen möglich ist.

Die Annahme, die Eckpunkte würden den Bau eines „Hauses“ vorgeben, trifft nicht zu. Tatsächlich ist es durchaus denkbar, nur eine Art „Prozessionstreppe“ vom Marktplatz zur Stadtkirche von Sankt Georg zu planen. Die Gastronomie müsste dann unter der Treppe angeordnet werden – Zugang jeweils von den Seiten.

Auch der völlig konträre Wunsch, ein zweigeschossiges Bebauung sehen zu wollen, ist nicht unmöglich. Die Höhendifferenz zwischen Marktplatz und Fläche vor der Kirche beträgt über sieben Meter, so dass sogar zwei Ebenen untergebracht werden könnten.

Ob diese Lösungsansätze und viele weitere denkbare auch sinnvoll und städtebaulich vernünftig sind, steht auf einem anderen Blatt. Dies zu diskutieren ist Aufgabe des Wettbewerbs. Sobald die konkreten Entwürfe mit Modellen von hochqualifizierten Büros vorliegen, lohnt es sich erst in die Diskussion einzusteigen, welche Lösung für das Herz Bensheims die beste ist.

Der kombinierte Ideen- und Realisierungswettbewerb darf daher nicht weiter verzögert, sondern sollte so schnell wie möglich durchgeführt werden.

Harald Heußer

Dipl.-Ing. Architekt

Leiter des Hochbauamts der

Stadt Heidelberg

Bensheim

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