Leserbrief

Vereinsförderung

In Zeiten leerer Kassen müssen auch Vereine zahlen

Ein Mensch, der in seinem Tun keinen Sinn sieht - sei dieser ideeller, ökonomischer Art oder einfach nur zur eigenen Freude an der Arbeit - tut: nichts. Es sei denn, er wird durch massive Gewalt und Einschüchterung dazu gezwungen! Ohne diesen Eigennutz gäbe es garantiert weder eine Dampfmaschine, noch elektrisches Licht, noch einen Computer. All diese Erfindungen dienten - so nützlich oder auch nicht sie für das Gemeinwohl waren und sind - an erster Stelle dem Erfinder, und sei es in der Befriedigung, ein Problem gelöst zu haben.

Dies gilt auch, so ehrenwert ihre Arbeit unbestritten ist, für Ehrenamtliche. Insofern hat Stadtrat Backs mit seiner Aussage, dass die Arbeit "für sich selbst" ist, nicht unrecht. Er hat niemanden beleidigt und auch niemanden, der ehrlich zu sich selbst ist, vor den Kopf gestoßen.

Es ginge auch ohne Vereine

Auch über den Begriff des "Gemeinwohls" kann und darf man unterschiedlicher Meinung sein. Vereine sind sicherlich dem Gemeinwohl zuträglich, evtl. auch dem Ansehen einer Stadt oder Region, aber die große Mehrheit der Bürger verhält sich gegenüber Vereinen und anderen Institutionen ziemlich indiffferent. Es ginge - krass gesprochen - auch ohne.

Wie gesagt, die Arbeit der Ehrenamtlichen ist lobenswert. Ob die Begleitumstände dieser ehrenamtlichen Arbeit der mit dem Begriff "Gemeinwohl" umschriebenen Allgemeinheit dienen, erschließt sich mir nicht immer. Denn wo liegt der Vorteil für das Gemeinwohl, wenn z.B. Mitglieder eines Vereins eine Straße, in der laut Straßenverkehrsordnung nur zum Be- und Entladen geparkt werden darf, stundenlang und immer wieder beidseitig zuparken? Für Anwohner ist es dann kaum möglich, mit ihren Wagen vors Haus zu fahren und z.B. ihre Einkäufe zu entladen. Ganz abgesehen davon, dass in einem Notfall ein Teil der Straße eben durch die beidseitig geparkten Pkw nicht zu befahren wäre.

Fallen die Bewohner dieser Straße nicht unter den Begriff "Gemeinwohl"? Gehört Rücksichtnahme auf andere nicht auch zur ehrenamtlichen Arbeit der Vereine? Werden in diesem Fall - es ließen sich noch weitere aufführen - nicht Eigeninteressen ziemlich rabiat und dazu noch gesetzwidrig durchgesetzt? Mich beschäftigt seit einiger Zeit auch folgende Frage: Was, bitte sehr, hat mit Zwingenberger Tradition, deren Erhalt sich der Geschichtsverein auf die Fahne geschrieben hat, eine Bastelstunde mit Kindern zur Erstellung afrikanischer Masken zu tun?

Nicht nur Hundesteuer erhöhen

Was die diese ganze Diskussion auslösende Verringerung der Zuschüsse an die Vereine betrifft: In Zeiten leerer Kassen - und die Zwingenberger Stadtkasse scheint ziemlich leer zu sein - sollte es selbstverständlich sein, dass alle ihren Teil dazu beitragen, diesen Zustand zu ändern. Nicht nur Gewerbetreibende durch eine erhöhte Gewerbesteuer, Hundebesitzer durch eine höhere Steuer, nicht nur die Bürger, die für jede Dienstleistung der Stadt bezahlen müssen, sondern eben auch die Vereine. In seiner Existenz ist dadurch wohl kein Verein bedroht. Es wendet sich auch nicht gegen die Bürger, die sich in Vereinen engagieren. Es dient dem Gemeinwohl.

Roswitha Zwecker

Zwingenberg

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