Leserbrief

Johannisfest

Intelligenter sein, statt nur das Datum streichen

Das Johannisfest ist kein „Traditionsfest“, wie es in der laufenden Diskussion oft heißt. Es ist viel mehr als das. Wenn ein einziges der vier Lorscher Feste, die vom Kulturamt organisiert werden, das Attribut Stadtfest verdient, dann ist es der so richtig zu benennende Johannismarkt.

Der Johannismarkt nahm das Lorscher Marktrecht seit der Auflösung des Klosters wahr. So berichtet es Konrad Dahl 1812 zum „Mark[t]flecken Lorsch“: „Wie geschwind sich aber das neue Dorf emporgehoben habe ersieht man daraus, dass schon im Jahre 1067 Kaiser Heinrich IV. dem Lorscher Abte Ulrich das Markt- und Münzrecht für sein Dorf Lauresheim ertheilt hat. [...] Das Münzrecht nahm jedoch mit der Abtei Lorsch ein Ende, der Wochenmarkt hörte auf; dagegen erhielt der Flecken Lorsch einen Jahrmarkt auf den Dienstag vor Johannis Baptistä [...].“

Es ist wohl richtig, dass die Ausgestaltung des Festes nicht mehr zeitgemäß ist. Richtig ist auch, dass der Johannismarkt und seine Macher bereits seit Jahrzehnten auf dem Lorscher Festplatz immer wieder neu gegen die Zeitläufe anzukämpfen hatten.

Neues setzte sich nicht durch

Neue und attraktive Inhalte konnten sich hier nicht durchsetzen und wurden auf andere Termine und Feste, vor allem aber in die Innenstadt übertragen.

Wer jetzt beschließt, den Johannismarkt und seinen Termin aufzugeben, opfert ein Stück Lorscher Identität, die bis in klostergeschichtliche Zeit zurück reicht.

Das bedeutet, dass die anzustrebende Gesamtlösung intelligenter sein muss, als die Streichung des Juni-Datums aus dem Festkalender der Stadt.

Thilo Figaj

Lorsch

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