Leserbrief

Innenstadt

„Jetzt erwachen meine Kollegen aus dem Winterschlaf“

Höchst verwundert lese ich im BA vom 12. März („Bensheimer Einzelhändler verärgert über Marktplatz-Initiative“), für „viele Einzelhändler aus alteingesessenen Geschäften“ sei die Vorgehensweise der Bürgerinitiative „der falsche Weg“.

Auch ich betreibe seit 40 Jahren in der Bensheimer Innenstadt ein Geschäft. Eine Einladung zu einem gemeinsamen Interessensaustausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht erhalten.

Gleichwohl liegt auch mir der Marktplatz und insbesondere die Innenstadtbelebung sehr am Herzen. Umso mehr frage ich mich, wo diese Kolleginnen und Kollegen abgeblieben waren, als das noch „junge“ Haus am Markt im vergangenen Jahr abgerissen, und Millionen im Bauschutt versanken?

Inzwischen liegt der verbliebene Bauschutt monatelang hinter einem Zaun, und dort seit geraumer Zeit auch wieder allen Touristen visuell zugänglich. Mir ist nicht erinnerlich, dass einer meiner Einzelhändlerkollegen seit Herbst vergangenen Jahres daran Anstoß genommen hätte.

Jetzt, wo sich eine Bürgerinitiative erhebt und nach der besten Lösung für den „Marktplatz der Zukunft“ mit einem möglichst breiten Rückhalt in der Bevölkerung – auch wenn möglicherweise mit einigen Monaten Zeitverzögerung – sucht, erwachen meine Kolleginnen und Kollegen urplötzlich aus dem Winterschlaf.

Die dringend nötige Belebung der Innenstadt ist zweifellos unser aller Ziel. Diese jedoch alleine durch ein Haus an der Ostseite des Marktplatzes erreichen zu können, ist ein absoluter Irrglaube. Der Marktplatz alleine kann niemals die gesamten Innenstadtprobleme lösen.

Wenn der BA-Bericht betitelt ist, „Dann ist die Bensheimer Innenstadt tot“, dann trifft das zweifellos zu. Und das bereits seit 15 Jahren! Dieses Faktum der gerade gegründeten BI anlasten zu wollen, ist geradezu grotesk.

Mir fehlten und fehlen die Stimmen aus der Bensheimer Geschäftswelt, die sich gegen die verfehlte Lokalpolitik erheben oder erhoben hätten, als das Ärztehaus aus der Innenstadt an den Berliner Ring „abgezogen“, und damit ein weiterer Schritt in Richtung „Aussterben der Innenstadt“ vollzogen wurde.

Und zu allem Überfluss gibt es jetzt auch noch Bensheimer Verantwortungsträger, die sich ernsthaft für den Abriss des gerade einmal 20 Jahre alten Sparkassengebäudes am Bahnhofsplatz aussprechen.

Hier fehlt ein gesamtstädtisches Planungskonzept, das dem Ausbluten der Innenstadt entgegenwirkt. Keine kleinkarierte Einzelmaßnahme, egal ob ohne Bebauung oder mit einem ein- oder mehrgeschossigen Haus am östlichen Marktplatz kann dies ersetzen.

Fritz Dorsheimer

Bensheim

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