Leserbrief

Odenwaldschule

Jetzt wird der Bock zum Gärtner gemacht

"Eine Woche Aufschub für ,Lindenstein'", Bergsträßer Anzeiger vom Samstag, 15. August

Ist es zum Lachen oder Weinen, wenn in einer anderen Tageszeitung zu lesen ist, dass Rechtsanwalt Michael Frenzel an die Spitze des Trägervereins der Odenwaldschule gewählt wurde und als "Liquidator die Insolvenz der OSO abwickeln" soll?

Ich erinnere mich noch gut an jene Sitzung im Heppenheimer Marstall (5. Oktober 2010 mit dem grünen Landtagsabgeordneten Bocklet). Damals redete Frenzel im Auftrag des Vereins "Glasbrechen" an der Seite von Landrat Matthias Wilkes die damalige Leitung der OSO (Gerhard Herbert, Bürgermeister a.D., und Professorin Dr. Katrin Höhmann) schlecht. Der Bock soll nun zum Gärtner gemacht werden. Denn den beiden Wortführern von damals ist es gelungen, nur drei Jahre später die OSO in die Insolvenz zu jagen. Wilkes im Originalton beschönigend: "Die Odenwaldschule - ein bedrückendes Thema", so anlässlich des Jubiläums in Hambach.

Was die Ironie in die Höhe treibt, ist der Hinweis, dass Frenzel "sich starkmachen will, aus der Insolvenzmasse die Forderungen des Opfervereins (zu) bedienen". Herr Frenzel hat wohl noch nie gehört, dass es seit 2011 die Stiftung "Brücken bauen" der OSO gibt, die bis Juli 2015 insgesamt 531 000 Euro an 45 Opfer sexualisierter Gewalt ausgezahlt hat. Wenn es Außenstände potenzieller Opfer der OSO für die Anerkennung ihres Leides und ihrer Therapiekosten gibt, dann stehen ihnen im Rahmen der Stiftung knapp 150 000 Euro zu. Dass diese ausgezahlt werden, dafür können sich Herr Frenzel und Herr Wilkes gerne gegenüber der Insolvenzverwalterin starkmachen.

Dirk Römer

Mitglied des Beirates

von "Brücken bauen"

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