Leserbrief

TSV-Hallen

Kein Wettkampf zwischen Sport und Natur

Ein freies Gelände mit guter Erschließung, schnell geplant und günstig erbaut. Da kann man seine Ziele unbehindert umsetzen. So klingt die Idee von TSV Auerbach/SSG für eine weitere, neue Halle am Berliner Ring. Ein Aspekt scheint bei dieser Idee allerdings tatsächlich „den Bach heruntergegangen“ zu sein. Der Winkelbach und die ihn umgebenden Acker- und Grünflächen.

Nicht von ungefähr hat der Landschaftsplaner der Stadt vor vielen Jahren schon vorausschauend daran gedacht, die Achse Kappesgärten – Berliner Ring – Winkelbach-Überschwemmungsbereich im Westen von Auerbach mit einer Baumreihe und keiner geringeren Baumwahl als der Säuleneiche zu bepflanzen. Diese Achse ist die wichtigste Grünverbindung zwischen den Kappesgärten oder überhaupt den nordwestlichen Stadtteilen über die Autobahn in die freie Landschaft.

Grünzug wird stark genutzt

Sie muss erhalten, gestärkt und als Grünzug fortgesetzt werden, und ein Grünzug ist mehr als eine Wasserlinie, eine Baumlinie und daneben gleich Bebauung bis an den Rand. Jeden Tag, ganz egal ob unter der Woche oder am Wochenende, wird dieser grüne Weg genutzt von einer sehr großen, seit Corona noch deutlich steigenden Anzahl von Bürgern, mit und ohne Kinder, mit und ohne Rad und Hund, einfach von allen.

Die beiden riesigen Walnussbäume am Gehweg entlang des Winkelbachs zum Bestandteil einer wegbegleitenden Grünfläche bis zum Berliner Ring zu machen, wäre ein Anfang für die Gestaltung einer richtigen Grünverbindung. Die Abfolge Bach/Geh- und Radweg – Äcker – freie Landschaft ist bisher ein stimmiger Übergang von der Stadt in die Landschaft. Der Eisvogel, den ich bereits viermal mitten über den Winkelbach habe fliegen sehen, sieht das wohl ebenso und das muss auch so bleiben!

Alte Halle sanieren und aufstocken

Ich freue mich auch, dass es in Bensheim viele Möglichkeiten für unterschiedlichste Sportarten besonders auch für Kinder und Jugendliche gibt. Doch alles muss in Maßen geschehen und in Zeiten des Klimawandels darf eine weitere, unüberlegte Versiegelung und Zerstörung von Acker- und Grünflächen im Ballungsraum und in unserer Stadt Bensheim nicht mehr hingenommen werden.

Im Weiherhausgelände gibt es die alte Handballer-Sporthalle direkt an der Bahn. Könnte man diese nicht sanieren und mit einem zweiten Stockwerk ausstatten? Parkplätze, die im Weiherhaus so knapp sind, könnte man auf dem Gelände hinter dem AV-Markt nutzen. Hier steht eine sehr große versiegelte Fläche zur Verfügung, die ab dem späten Nachmittag und am Wochenende nahezu ungenutzt ist. Die Entfernung von drei Minuten Fußweg ist völlig in Ordnung. Eine klare Win-Win-Situation.

Mit Kooperation und guten Ideen

Dies soll nur ein Beispiel sein, um anzuregen, dass, wenn man zusätzlich zum Geld auch Mühe und Zeit investiert, mit Kooperation und guten Ideen oft viel gewonnen werden kann für Landschaft und Grün, ohne dass der Sport gleichzeitig darunter leiden muss.

Ich gehe davon aus, dass auch in die Zukunft blickende Sportler meine grünen Argumente nachvollziehen können und bereit wären, über andere Möglichkeiten ihre Bedarfe zu erfüllen nachzudenken. Am Schluss stellt sich auch die Frage, wer sich in Bensheim tatsächlich noch für Grün starkmacht? Ein Bürgermeister, der Ausnahmegenehmigungen für Bebauung im alten Neckarbett anstrebt, Grünachsen nicht mitdenkt und Gewerbegebiete vergrößern lässt, vermutlich nicht.

Annette Hennemann

Bensheim

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