Leserbrief

Sommer- und Winterzeit

Keine größeren Probleme als die Zeitumstellung?

Die EU hat 512,6 Millionen Einwohner. Davon haben sich 4,6 Millionen in einer Online-Umfrage zur Zeitumstellung geäußert, also circa 0,9 Prozent. Davon wiederum waren 84 Prozent für eine Abschaffung der alternierenden Sommer-/Winterzeit – also 0,75 Prozent der Bevölkerung.

EU-Kommissionspräsident Junker will diesen 0,75 Prozent folgen und erklärt wörtlich: „Die Menschen wollen das, wir machen das.“ Sind die restlichen 99,25 Prozent der Bürger keine Menschen? Bemerkenswert ist, dass bei wirklich wichtigen Angelegenheiten die Menschen in der EU nicht gefragt werden und auch nicht das gemacht wird, was „die Menschen“ wollen.

Abstimmung bei der Europawahl

Was sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Abschaffung der Winter-/Sommerzeit? Sie sagt: „Ich persönlich hätte jedenfalls dafür eine sehr hohe Priorität.“ Die wirklichen Probleme in Deutschland, Europa und der Welt haben für sie offenbar nur eine untergeordnete Priorität. Wirklich schade.

Im Mai 2019 wird das Europäische Parlament neu gewählt. Wie wäre es, zum Wahlzettel noch einen kleinen Stimmzettel zu legen und drei Optionen zur Wahl zu Stellen:

1. Die Einteilung in Winterzeit und Sommerzeit soll so bleiben, wie sie ist.

2. Es soll künftig nur die Sommerzeit gelten.

3. Es soll künftig nur die Winterzeit gelten.

Jeder macht darauf sein Kreuzchen, wie’s gefällt, dann wissen Junker und Merkel genau, was die Menschen bei diesem Thema „mit sehr hoher Priorität“ wirklich wollen.

Ich sage jetzt schon voraus, dass die Menschen, die für eine dauerhafte Winterzeit sind, sich im Sommer beschweren werden, dass man das Schwimmbad oder den Badesee schon eine Stunde früher verlassen muss und es im Biergarten oder zu Hause im Freien schon eine Stunde früher ungemütlich und dunkel wird. Wer für die dauerhafte Sommerzeit ist, beschwert sich dann, dass es im dicksten Winter morgens erst um halb zehn hell wird. Die Menschen, die im Freien arbeiten müssen, können dann erst eine Stunde später anfangen und müssen abends länger bleiben.

Die Menschen passen sich an

Der liebe Gott hat nun mal die Erdachse geneigt, so dass bei ihrer Umlaufbahn um die Sonne Winterzeit und Sommerzeit entstehen mit den bekannten unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten. Ungeachtet der Energieeinsparungen ist es nur normal, dass die Menschen sich diesem Rhythmus anpassen. Deshalb haben wir doch die heute geltende Zeitregelung.

Was machen die Menschen, die gegen eine Anpassung der Zeit sind, wie wir sie derzeit haben, wenn sie in Urlaub fahren? Da sind schon auf den Kanaren nicht nur eine sondern gleich zwei Stunden Zeitumstellung zu bewältigen. Wenn eine zweimalige Zeitverschiebung von nur einer Stunde in einem Jahr schon bei diesen Leuten Probleme macht, dann können sie ihren Urlaub kaum genießen und brauchen nach Rückkehr wahrscheinlich erst einmal Urlaub, weil ja schon wieder zwei Stunden Zeitverschiebung bewältigt werden müssen. Und was ist erst bei Fernreisen? Und was ist an Wochenenden? Da bleibt man abends länger auf und schläft morgens länger. Montags sind diese Menschen wiederum aus dem Rhythmus und haben wahrscheinlich bei der Arbeit Probleme. Dann sollten sie gleich auch für die Abschaffung der Wochenenden plädieren. Darüber würden sich Junker und Merkel vielleicht auch sehr freuen.

Wolfgang Hechler

Lautertal-Gadernheim

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