Leserbrief

Innenstadt-Entwicklung

Klimaschutz hat Vorrang vor Nachverdichtung

Zu Beginn des Jahres 2018 gab es eine Bürgerversammlung zum Thema Nachverdichtung Melibokusstraße/Bauhof in Zwingenberg. Man versprach, die Meinung der Bürger, die sich mehrheitlich gegen eine Nachverdichtung ausgesprochen hatten, bei der Folgeplanung zu berücksichtigen.

Zwingenberg ist bereits jetzt mit 1267 Einwohnern pro Quadratkilometer die am dichtesten besiedelte Stadt an der Bergstraße. Zum Vergleich: In Weinheim und Bensheim liegt diese Zahl bei unter 800, in Heppenheim sogar nur bei knapp 500 Einwohner pro Quadratkilometer (Quelle: Wikipedia). Für unsere Stadt, die gerade mit Tuchbleiche (ehemaliger Rasensportplatz) und Platanenallee (Steinfurter Falltor III) neue Bebauung ermöglicht hat, heißt das: Mehr geht nicht.

Vielerorts hat sich das Thema Nachverdichtung ohnehin überholt: Wohnraum fehlt hauptsächlich in den Großstädten. Stattdessen steht das Thema Stadtklima ganz oben auf der Tagesordnung.

Je größer die Bevölkerungsdichte einer Stadt ist, desto wichtiger und notwendiger wird mit Blick aufs Klima das Bewahren natürlicher Inseln zwischen den Mauern, der Erhalt jeglichen Grüns, jedes einzelnen Baumes als Sauerstofflieferant, Schattenspender, Wärmeausgleich, Lärm- und Staubfilter. Zukunftsorientierte Städte und Gemeinden geben deshalb vor größeren Bauvorhaben ein Gutachten über die Veränderung des Mikroklimas in Auftrag. Wie wichtig dessen Berücksichtigung ist, erleben wir gerade in diesen Hochsommertagen.

Gemäß dem vorgelegten städtebaulichen Entwurf sollen das Gelände des nun ausgelagerten Bauhofs neu bebaut und die Schule auf ein Grundstück nördlich des Melibokus-Parkplatzes verlagert werden – dagegen gibt es wohl keine Einwände.

Sinnlos erscheint allerdings das Fällen sämtlicher 28 Eichen (30 bis 40 Jahre alt) auf dem Parkplatzgelände, die der anliegenden Schule und deren Nachbarschaft Sauerstoff, Schatten und Abkühlung schenken würden.

Schlimmer noch ist das geplante „Plattmachen“ einer grünen Lunge im Stadtzentrum: Zwischen der Melibokusstraße und der Bahnlinie ist über die Jahre ein Streifen mit etwa 30 älteren Bäumen und wildwachsendem, ausgedehntem Buschwerk entstanden, der nun abrasiert, auf Straßenniveau tiefergelegt und bebaut werden soll. Davon müssen wir Abstand nehmen.

Auf der Bürgerversammlung hat sich die Bevölkerung klar geäußert. Bei den nun anstehenden Entscheidungen wird klar werden, ob die Volksvertreter imstande sind, das Volk zu vertreten.

Michael Frohs

Zwingenberg

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