Leserbrief

Haus am Markt

Kommt es nur auf Wirtschaftlichkeit und Funktion an?

Nach all den Diskussionen und Entscheidungen, die in unserem Rathaus betreffs Sanierung oder Abriss des Hauses am Markt getroffen wurden, hatte ich mich wie auch andere Mitbürger unserer Stadt mit einem geplanten Neubau abgefunden.

Wenn ich jedoch zur Kenntnis nehmen muss, dass über 1000 Bewohner unserer Stadt sich nicht mit den Ansichten und Argumenten und der Entscheidung unserer gewählten Politiker einverstanden erklären, so stimmt es mich, der sein Bensheim liebt und lebenswert findet, nachdenklich.

Auch kann ich mir kaum vorstellen, dass eine solche Anzahl von Bensheimern mit ihrer Haltung und ihrem Wunsch, das Haus am Markt zu erhalten, sich haben täuschen lassen und „irreführenden Angaben“ zum Opfer gefallen sind. Kommt es bei den öffentlichen Gebäuden unserer Stadt denn nur auf Wirtschaftlichkeit und Funktion an?

Wer garantiert uns zudem, dass ein dort am Markt geplantes Gastronomieunternehmen auf Dauer beträchtlichen Gewinn einfahren kann?

Belebung durch einen Neubau?

Was die erhoffte Belebung angeht: Kann man diese durch eine Gaststätte in einem teuren Neubau befriedigend erreichen? Die Unterbringung des Hospiz-Vereins und des Familienzentrums werden das wohl kaum schaffen können.

Ein totaler Abriss ohne Errichtung eines Neubaus wäre natürlich ebenfalls Kosten verursachend. Auch würde man einen wesentlich größeren Marktplatz wieder gewinnen und Luft schaffen und vor allem unsere Kirche Sankt Georg wieder aus dem Versteck holen.

Vor vier Jahrzehnten verwirklichten unsere gewählten Vertreter begeistert den „alten“ Neubau des zerstörten Hauses am Markt mit seinen Fachwerkelementen. Er fügte sich harmonisch und widerspruchslos in seine Umgebung ein. Natürlich würde man aus heutiger Sicht manches anders gestalten. Doch das jetzige Haus am Markt ist aber auch ein positives und angenehmes Zeugnis seiner Zeit.

Wer wäre früher auf die Idee gekommen, ein völlig intaktes und funktionsfähiges Gebäude bereits nach 30 Jahren abzureißen, weil es gegenwärtigen „modernen“ Konzepten und Nutzungsvorstellungen oder dem Zeitgeist nicht mehr voll entspricht?

Das Haus am Markt gefällt

Unser jetziges Haus am Markt wurde und wird auf vielen Plakaten und Postkarten abgebildet und fügt sich harmonisch in seine Umwelt ein. Es gefällt einfach!

Für jedes Grundstück oder Bauwerk in einer solch zentralen Lage ließen sich jederzeit Architekten finden, die ihre eigenen Vorstellungen und zweckgebundene Wünsche nach Vorgaben erfüllen könnte. Müssen aber beachtliche Steuergelder für ein solches Projekt eingesetzt werden?

Sollten die Verantwortlichen sich nicht einmal viel intensiver um die ungenutzten, leerstehenden Häuser im Stadtkern Gedanken machen und sich darum kümmern, anstatt viel Geld für die Planung und einen Neubau des Hauses am Markt vorschnell auszugeben?

Bestimmt lassen sich viele ungeahnte interessant Verwendungen für das beliebte aktuelle Haus am Markt und Mieter finden, die liebend gern dort arbeiten und auch einziehen würden, wen es ihnen ermöglicht würde, ohne frustrierende Vorgaben und Auflagen und sie sich dort frei entwickeln könnten. Und dies trotz der vorhandenen (Zitat) „funktionalen Einschränkungen“, auch ohne „Barrierefreiheit und Energieeffizienz“.

Bei der Illusion und Hoffnung auf neue hohe Einnahmen und die Neubelebung der Innenstadt, die vielleicht ein Neubau am Markt erbringen könnte, sollte Zeit gewonnen und die endgültige Planung in letzter Minute noch einmal überdacht werden.

Claus Dennhardt

Bensheim

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