Leserbrief

Auerbach

Leben am Park: Das Privileg hat Risse bekommen

Ich wohne am Park – genau gesagt auf der Westseite des Kroneparks in Auerbach. Ein Privileg – ein wirklicher Glücksfall, dass ich das Grundstück vor rund 40 Jahres relativ preisgünstig erwerben konnte und unsere Kinder in einer Umgebung aufwachsen durften, wie es vielen nicht vergönnt ist – ein Privileg eben.

Umgeben von Bäumen, Büschen, Rasen und Blumen, kein Autoverkehr, also keine Abgase, kein Lärm. Lärm nicht, aber Geräusche: Die Kinder, die auf der Wiese spielten und dabei nicht gerade leise waren; die älteren Damen, die auf der Bank saßen und sich über ihre Enkel, das Wetter oder ihre aktuellen Gebrechen austauschten; die Hundebesitzer, die sich begegneten und Erfahrungen über Tierhaltung austauschten oder versuchten, die sich gegenseitig anbellenden Hunde zu beruhigen; Jubel- oder Verzweiflungsschreie vom nahe gelegenen Minigolfplatz. Geräusche – nicht gerade leise, aber lebendig und so, wie es sein soll.

Zu viel Dreck und Unrat

Bis zur Mittagszeit ist das auch heute noch so, wenngleich die Bank von den älteren Herrschaften nicht mehr viel genutzt wird, weil zu viel Dreck und Unrat der vergangenen Nacht ihnen die Lust darauf verleidet. Dann kommt die Mittagspause, die viele – meist junge – Leute im Park verbringen, was ihnen auch wirklich vergönnt sei. Wenn nicht – ja wenn es nicht die Ghettoblaster und weitere elektronische Geräte gäbe, die dann mit tiefen Bummbummbässen das Gelände beherrschten.

Ab 16.30 Uhr geht es dann weiter, Anlieger und Parkbesucher werden gezwungen, sich Musik anzuhören, die zwar ihre eigenen Qualitäten hat, aber eben nicht von allen gehört werden will. Das geht dann weiter bis in den späten Abend. Dazu kommt die Schreierei, die notwendig für die Unterhaltung ist, um die Musik zu übertönen.

Oft gehe ich dann hin und spreche freundlich mit den jungen und auch längst erwachsenen Leuten und meistens finde ich Gehör und die Musik wird vorübergehend leiser. Ab und zu bekomme ich auch unflätige Antworten, aber es geht (man war ja auch mal jung, ich habe es nicht vergessen).

Abends wird es ganz übel

Ganz übel wird es abends, wenn der Alkohol schon wirkt. Er vernebelt nicht nur die Sinne, sondern erhöht auch den Druck nach Erleichterung. Und da der Weg zur öffentlichen Toilette zu weit ist, wird die Notdurft in jeglicher Quali- und Quantität an der Grundstücksgrenze verrichtet.

Dankenswerterweise erscheint häufig kurz nach 22 Uhr die Stadtpolizei, um für etwas Ruhe zu sorgen. Das wissen die Parkbesucher aber auch und haben sich darauf eingerichtet. Kurzzeitig ist Ruhe und dann geht es weiter bis tief in die Nacht - nicht immer, aber oft verbunden mit Randale.

Die Reste werden am nächsten Tag im Laufe des Vormittags von städtischen Bediensteten entsorgt. Das Privileg hat Risse.

Reinhard Bauß

Auerbach

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