Leserbrief

Pandemie

Lehren aus der Corona-Krise ziehen

Corona, seine Auswirkungen und Lehren haben Ähnlichkeiten mit Unglücken in industriellen Großanlagen und den sich anschließenden Prozessen, die nach ähnlichen Schemata ablaufen:

A) sofortige Schadensbekämpfung: (im Fall Corona Lockdown und diszipliniertes Verhalten), gefolgt von der Analyse „wie konnte es zu dem Unglück kommen“ sowie dem zügigen Blick nach vorne, um zukünftig ähnliche Unglücke zu vermeiden („Lessons Learned“). Daraus folgen in der Regel zu implementierende Projekte oder Änderungen („Changes“), deren

B) Entwicklung und Umsetzung sich immer an drei Kriterien messen lassen müssen:

1) was bewirken die geplanten Projekte / Änderungen,

2) generieren sie den erwarteten Mehrwert und

3) sind sie nachhaltig?

Neben mehr Home Office, das positive Effekte auf das Verkehrsaufkommen hätte, und dem Verbessern von Hygienestandards (wie das Beibehalten von Plexiglasscheiben in Geschäften, mehr Desinfektionsspendern oder mehr Abstand in Warteschlangen), die nachhaltig Krankheitswellen vermindern könnten, gibt es zwei „Lessons Learned“ aus der Corona-Krise, die einen enormen Hebel auf die zukünftige Entwicklung unseres Landes haben können:

Schulden komplett verbieten

1. Schulden der öffentlichen Hand sind eine Pandemie und sollten komplett verboten werden. Die von einigen Politikern und „Experten“ oft kritisierte schwarze Null der letzten Jahre erweist sich jetzt als Lebensretter vieler kleiner Unternehmer und Firmen. Generell sieht man doch: Ländern mit wenig Schulden geht es gut und sie sind bis jetzt gut durch die Coronakrise gekommen, Ländern mit vielen Schulden ging es schon schlecht und jetzt noch viel schlechter. Keine Schulden zu haben, ist nachhaltig, um für Situationen höherer Gewalt gewappnet zu sein.

Weniger Bundesländer

Zudem darf doch bezweifelt werden, dass eine Generation mit dem fragwürdigen Argument „das ist gut für die Zukunft“ Schulden machen darf, die deren Kinder dann abbezahlen müssen. Mir ist keine derartige Investition der letzten 20 Jahre bekannt, die diesem Zweck bei genauer Prüfung standhalten würde.

Ein typisches Beispiel ist doch das Bensheimer Bürgerhaus: Haus ist kaputt, Schulden sind noch da. War dieses Bürgerhaus ein nachhaltiger Mehrwert für die Zukunft? Man wundert sich, dass das die jungen „Friday for Future“-Demonstranten akzeptieren, die doch die Schulden bezahlen müssen.

2. Föderalismus, da besteht gesellschaftlicher Konsens, ist gut. Aber darf der denn überhaupt keinen Änderungen und Anpassungen unterliegen? Wofür benötigen wir 16 Bundesländer, mit Mikrostaaten wie das Saarland und Bremen (Einwohner NRW/BRE = Faktor 25), die es seit 40 Jahren nicht schaffen, ohne die Hilfe anderer einen ausgeglichenen Haushalt hinzubekommen? Ist das nachhaltig?

Wann immer es darauf ankommt, wird evident, wie wenig die Länder miteinander kooperieren und wie sehr jeder vor sich „hinwurschtelt“: Chaos während der Flüchtlingskrise, Rückgriff auf Daten der „weltberühmten“ Johns Hopkins University, um zu ermitteln, wie viele Menschen in Deutschland infiziert sind, 16 verschiedene Verhaltensregeln für Ostern. Vom Bildungschaos ganz zu schweigen. Wo ist hier der Mehrwert von 16 Ländern? Wofür benötigen wir 700 Bundestagsabgeordnete? Warum nicht 300?

Flachere Hierarchien

Und benötigen wir unbedingt Regierungspräsidien? Warum wird die Größe der Landkreise nicht verdoppelt, die dann direkt an die Ministerien berichten? Alle Großkonzerne schaffen Hierarchieebenen ab, beim Staat geht es nicht. Warum nicht? Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland hätten zusammen die Einwohnerzahl von Baden-Württemberg und Bremen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen zusammen die Einwohnerzahl von Bayern. Mit zwei Ostländern gäbe sieben Bundesländer, alle mit vergleichbaren Einwohnerzahlen. Das würde Milliarden pro Jahr einsparen und garantiert besser funktionieren, weil weniger Menschen mit mehr Verantwortung involviert wären und „Nicht-Entscheider-Bedenken-Ebenen“ wegfallen würden.

Es liegt an uns Bürgern

Man darf gespannt sein, ob solche Lehren wirklich gezogen werden (wollen). Das liegt aber auch wesentlich an uns, den Bürgern, die alle vier Jahre viel Macht in Form des Wahlzettels haben.

Peter Zacher

Heppenheim

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